„Mutig“: Der bekannte Cartoonist Ralph Ruthe gibt sein Twitter-Konto für 24 Stunden Nicht-Weißen in die Hand.

Zwischen Selbsthass und Pseudo-Großmut

Zeichnungen von Ralph Ruthe hat jeder irgendwann schonmal gesehen. Aus seiner politischen Weltanschauung macht der preisgekrönte Bielefelder darin kaum einen Hehl.

Wie weit links das Herz des 48-Jährigen wirklich schlägt, stellt er jetzt unter Beweis. Jüngst teilte Ruthe via Twitter mit, dass er seinen Kanal mit über 500.000 Abonnenten für 24 Stunden einer Person zur Verfügung stelle, „die nicht mit meinen Weißer-Mann-Privilegien auf die Welt gekommen ist“. Gratismut pur.

Ruthe freue sich, wenn seine Fangemeinde den Tweets des oder der Auserwählten „Aufmerksamkeit schenkt“. Die Person solle damit nämlich die Chance erhalten, mal eine „ganz andere Bubble“ zu erreichen.

Auswahlkriterium: Nicht-Weiß und linksradikal

Seine eigene linke „Bubble“ will Ruthe aber offenbar nicht verlassen – auch nicht für einen Tag. So will er sein Konto dem in Sri Lanka geborenen Kolumnisten Stephan Anpalagan leihen. Der Anti-Rassismus-Aktivist bezeichnet die AfD als „Bande von Nazis“. Mit solch differenziert formulierten Ansichten kann er nun bald Ruthes halbe Million Abonnenten beglücken.

Sein Twitter-Experiment will Ruthe fortan regelmäßig wiederholen. Schon einmal hat er es ausprobiert. Da durfte sich mit Samira El Ouassil eine SPIEGEL-Kolumnistin und Politikerin der radikal linken Partei „Die Partei“ einen Tag lang auf seinem Kanal austoben.

Schade, dass Ruthe sein Profil nicht auch mal an Nicht-Weiße verleiht, die keine linksradikale Agenda fahren. Oder an Weiße, die im Gegensatz zu ihm nicht erfolgsverwöhnt sind und ihr „Geburtsprivileg“ mit Pfandflaschen aufbessern müssen.

FlinkFeed wünscht Ruthe aber dennoch viel Spaß bei seiner Twitter-Pause. Wir hoffen, sie hilft ihm dabei, sein Schicksal als Weiß-Geborener irgendwie leichter zu ertragen.