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„Fairytale of New York“ von der irischen Band „The Pogues“ ist kein durchschnittliches Weihnachtslied: Anstatt um Lebkuchen und Geschenke, geht es darin um ein ernstes Thema. Der englische Radiosender „BBC Radio 1“ will es jetzt aus Gründen der politischen Korrektheit nicht mehr spielen.

Songtext soll ausgetauscht werden

Ein Mann sitzt betrunken in seiner Gefängniszelle und denkt an seine durch Drogen- und Alkoholmissbrauch zerbrochene Ehe zurück. Darum geht es in dem ungewöhnlichen Weihnachts-Klassiker „Fairytale of New York“ aus dem Jahr 1987. Die Erinnerungen des Mannes sind nicht gerade rosig: Seine Frau nennt ihn eine „Schwuchtel“ („Faggot“) und er sie eine „Schlampe“ („Slut“).

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Laut einem BBC-Artikel reagieren jedoch insbesondere junge Zuhörer „sensibel gegenüber abwertenden Genderbegriffen“. Deswegen will der Sender jetzt nur noch eine alternative Version des Songs spielen, in der die Begriffe ausgetauscht wurden. Schließlich würden junge Zuhörer, die das Lied nicht kennen, die Worte als „heftig und nicht ihren Erwartungen entsprechend“ empfinden.

»The Pogues«-Sänger verteidigt Wortwahl

Es ist nicht das erste Mal, dass das Weihnachtslied über die Abgründe von Alkohol- und Drogenmissbrauch kontrovers diskutiert wird. Schon 2007 zensierte derselbe Radiosender das Lied – und machte seine Entscheidung nach Empörung der Fans rückgängig.

Das BBC Broadcasting House in London
Das BBC Broadcasting House in London.
iStock / IR_Stone

Der Sänger der Band, Shane MacGowan, meinte dazu: „Die Frau im Lied nutzte das Wort, weil es einfach zur Art und Weise passte, wie sie sprach. Sie sollte keine nette und vernünftige Person darstellen.

Den Dialog hätte MacGowan dabei so authentisch wie möglich abbilden wollen – ohne die Absicht jemanden zu verletzen: „Manchmal müssen Charaktere in Liedern und Geschichten böse oder unanständig sein, damit die Geschichte richtig erzählt werden kann.“

Schwule Iren protestieren in YouTube-Kommentare gegen Lied-Zensur

Der Sänger ist mit seiner Meinung nicht allein. Auch der irische Comedian Mitch Benn verteidigte die Wortwahl und erklärte, dass „faggot“ in einem bestimmten irischen Dialekt einfach nur eine faule Person bezeichnen würde. Am meisten ärgern sich jedoch Fans des Lieds über die Zensur – darunter auch unzählige schwule Iren.

Weihnachten in Dublin.
iStock / lenawurm

So heißt es in einem der Kommentare unter dem Video: „Als eine schwule irische Person sage ich euch: Wenn ihr euch von einem Wort im schönsten Weihnachtslied überhaupt verletzt fühlt, hört es euch einfach nicht an.“

Ein weiterer Kommentator meint: „Ich bin schwul wie sonst was, aber wenn irgendjemand diesen Song für das F-Wort canceln will, gehe ich auf die Barrikaden. Ich wuchs damit auf und liebe das Lied – es sollte definitiv nicht gecancelt werden.“