Schon seit tausenden Jahren fasten Christen 40 Tage vor Ostern. Aber warum eigentlich? Das sind die Gründe:

1Die Wurzeln liegen im Alten Testament.

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Schon das altestamentliche Judentum kannte das Fasten als Zeichen der Trauer um Verstorbene. Oder zur Buße. Geboten war das Fasten an bestimmten Tagen schon seit Moses und praktiziert wurde es von großen Persönlichkeiten wie König David.

2Jesus forderte immer wieder zum Fasten auf.

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Wiederholt wies Jesus auf die Wichtigeit des Fastens hin und erklärte, dass es Glaube und Stärke verleihe, um große Taten zu vollbringen. In seiner berühmten Bergpredigt wies er seine Jünger an, kein finsteres Gesicht beim Fasten zu machen. Sie sollten ihr Äußeres pflegen und fröhlich sein, anstatt Mitleid und Respekt bei den Menschen erregen zu wollen. Ein jammerndes oder protzendes Fasten ist für einen gläubigen Christen also wertlos.

3Die Apostel riefen zum Fasten auf.

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Immer wieder taucht das Fastengebot im Neuen Testament auf, besonders beim Apostel Paulus. Über diesen Weg wurde die Fastenpraxis geradewegs von Jesus über die Apostel an ihre Schüler und bischöflichen Nachfolger weitergegeben. Das Fasten als frühchristliche Praxis ist deshalb heute leicht nachweisbar.

4Fasten schärft den Geist!

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Das Fasten wurde sowohl von Jesus als auch von den Christen zu allen Zeiten als Rüstung des Geistes angesehen. Der Verzicht auf bestimmte Freuden sollte den Willen stärken und die Sinne schärfen. Er sollte die Urteilskraft verbessern und einen objektiveren, gelasseneren Blick auf die Dinge gewähren. Nur so ist es nach christlicher Auffassung möglich, sich effektiv gegen seine Laster und Versuchungen zu wehren.

5Fasten erhöht die Dankbarkeit!

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Die Heilige Teresa von Ávila sagte eimal: »Wenn Fasten, dann Fasten. Wenn Rebhuhn, dann Rebhuhn.« Dieser Satz drückt wohl sehr treffend das christliche Verhältnis zu weltlichen Freuden aus und steht damit in der Tradition Jesu!

Der musste sich nämlich von seinen Gegnern als »Fresser und Säufer« beschimpfen lassen, weil er sich außerhalb der Fastenzeit zu Gastmählern einladen ließ und auch gerne Wein trank. Denn Fasten soll nicht die alltäglichen Freuden des Essens und Trinkens verteufeln. Im Gegenteil: Ein Christ ist nach der Fastenzeit umso dankbarer, wieder in einen leckeren Schmorbraten oder gebackene Rippchen beißen zu können.

6Fasten ist ein Opfer!

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Nach christlicher Auffassung ist das Fasten ein Opfer. Der absichtliche Verzicht gilt als gottgefällig und kann in den Dienst einer Sache gestellt werden: Er kann das Gebet für sich selbst, für Freunde oder Verwandte, die Kirche oder das Vaterland verstärken. Mit Opfern zeigen Christen ihrem Gott, dass sie es ernst meinen.

7Fasten erinnert an das Leiden Christi.

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Zur christlichen Spiritualität gehört, den Opfertod Christi am Kreuz zu betrachten. Gott wird Mensch und opfert sich selbst für seine Kinder. »Niemand hat größere Liebe als die, dass er sein Leben lässt für seine Freunde« zitieren deshalb viele deutsche Kriegerdenkmäler das Johannesevangelium.

Dieses ultimative Opfer aus Liebe, das Hingeben des eigenen Komforts und der eigenen Freuden für jemand anderen, wird im Fasten nachgeahmt. Fasten gilt Christen daher als ein meditativer und mystischer Akt.

8Fasten erinnert an schlimme Zeiten.

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Schon bei Jesus war das Fasten angelehnt an vergangene Zeiten des Verzichtes und des Leidens. Das wohl treffendste Beispiel sind die 40 Jahre, in denen das Volk Israel durch die Wüste zog, bevor es sich im gelobten Land niederlassen konnte. 40 Jahre des Verzweiflungskampfes. 40 Jahre des Dürstens und der Heimatlosigkeit. Daneben wirken 40 Tage freiwilliges Fasten vor Ostern wie ein Kinkerlitzchen.

9Fasten gehört zu den drei Bußübungen!

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Sünde einerseits und Versöhnung mit dem Schöpfer andererseits spielen für Christen eine große Rolle. Schon bei den Kirchenvätern ist die Rede von den drei Bußübungen: Almosen, Gebet und Fasten. Wer sich versündigt hat, wer sich etwas genommen hat, was ihm nicht zusteht, soll nun geben. Sei es, die Armen zu unterstützen, sich Zeit für das Gebet zu nehmen oder eben zu fasten. Dadurch wird nach christlicher Auffassung der Verzicht auf bestimmte Güter zu einem Akt der Versöhnung mit Gott.

10Fasten bereitet auf Hochfeste vor.

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Wie bereits oben erwähnt, soll das Fasten den Geist bereiten für ein kommendes Hochfest. Gerade in einer Wohlstandsgesellschaft unterscheidet sich das Festessen zu Ostern oder Weihnachten oftmals gar nicht so sehr vom alltäglichen Überfluss.

Christen sagen: Wer zuvor gefastet hat, kann tiefer in die Glaubensgeheimnisse des Festes eintauchen und auch auf einer spirituellen Ebene Dankbarkeit verspüren. Das Fest wird dadurch zu einem wirklichen Fest, bei dem ausgelassen gegessen, getrunken, getanzt und gefeiert wird. Diese Freude des Kontrastes geht Materialisten, die keinen Sinn im Verzicht sehen, laut vieler Christen völlig ab.

 

11Johannes der Täufer lebte als Mönch und fastete.

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Von ihm berichtet die Bibel, dass er im Bauche seiner Mutter Elisabeth hüpfte, als die schwangere Maria sie besuchte. Er wurde ein halbes Jahr vor Jesus geboren und begann vor ihm sein öffentliches Wirken.

Als Bußprediger in der Wüste trug er, wie die Propheten des Alten Testamentes, Kamelhaar und ernährte sich von Heuschrecken und Honig. Für Johannes war dieses Fasten notwendig, um Gott nahe zu sein, um Buße zu tun und um das vorzuleben, was er von den Menschen im Kleinen verlangte. Sein Fasten interpretieren Christen als eine Vorbereitung auf das Kommen Jesu.

12Jesus fastete.

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Bevor er das letzte Abendmahl feierte und verraten wurde, ging Jesus 40 Tage lang in die Wüste, um zu fasten. Dies tat er, so heißt es, als Vorbereitung auf sein Schicksal und auf das kommende Pessach-Fest, dem jüdischen Vorläufer des Osterfestes.