Auf Anfrage verteidigte IKEA das Verhalten der Angestellten und macht die Diskriminierung zur Regel.

Blinder Kunde soll online einkaufen!

Seit einem schweren Unfall mit anschließendem Koma ist Georg S. blind und gehbehindert. Mit seiner Pflegerin ging er Anfang September in die IKEA-Filiale in Köln-Butzweilerhof. Vom Tragen einer Maske ist er durch ein Attest befreit. Das hatte bisher jedes Geschäft akzeptiert.

Das IKEA-Personal bedrängte ihn allerdings und pöbelte ihn an. Eine, wie er schildert, „ziemlich aggressive, barsche und voreingenommene“ Angestellte regte sich nur noch mehr auf, als S. ihr sein Attest zeigte.

Symbolbild, artran – iStock

„So etwas gibt es überhaupt gar nicht“, soll sie gesagt haben. Dann riet sie S., er solle doch den Online-Shop nutzen, was einem Blinden aber schwerfallen dürfte.

Danach wurden Georg S. und seine Pflegerin rausgeworfen. Der Sicherheitsdienst verfolgte die beiden auf den Parkplatz, rief die Polizei und erstattete Anzeige. Nach Anfrage vom Express rechtfertigte eine IKEA-Sprecherin das Verhalten der Angestellten. Es sei Firmenpolitik, unmaskierte Kunden rauszuwerfen, „auch für den Fall, dass ein ärztliches Attest vorliegt“.

Irre: Behinderte schützen sich mit Armbinden vor Attacken

Aktion Mensch und weitere Verbände warnten bereits wiederholt vor der Benachteiligung von kranken Menschen im Zuge der Corona-Regeln. So nehmen beispielsweise viele Schultransporte keine Kinder mehr mit, auch wenn sie ein Attest zur Maskenbefreiung haben.

Symbolbild, artran – iStock

Die Lebenshilfe NRW beklagt, dass Menschen, die keinen Mundschutz tragen dürfen, „beschimpft oder angepöbelt“ würden. Behindertenwerkstätten ziehen bereits drastische Konsequenzen: Sie nähen Armbinden für Behinderte, um sie gegen Anfeindungen zu schützen.