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Wer die Vornamen großer Komponisten nicht erwähnt, diskriminiert schwarze und weibliche Musiker, meint ein US-amerikanischer Musikprofessor. Seine Lösung heißt „Fullnaming“ und bedeutet: Alle Komponisten sollen immer nur noch mit Vor- und Nachnamen ausgesprochen werden.

Musik muss jetzt politisch korrekt werden

In einem Artikel für das US-amerikanischen Online-Magazin „Slate“ erklärt Musikprofessor Chris White, warum es seiner Meinung nach rassistisch und diskriminierend wäre, Komponisten ohne Vornamen zu nennen: „Wenn ein Lehrer sagt: ‚Heute werdet ihr Symphonien von Brahms und Edmond Dédé hören‘, stellt er den letzteren Komponisten sprachlich auf eine andere Ebene.“

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Wer „Mozart“ statt „Wolfang Amadeus Mozart“ sagt, gilt „Fullnaming“-Befürwortern als Rassist.
Gemeinfrei

Dass dieser Unterschied zwischen Brahms und dem schwarzen Komponisten Dédé gemacht würde, so White weiter, käme durch Jahrhunderte systematischer Ausgrenzung, von Vorurteilen sowie durch Sexismus und Rassismus. Das volle Programm also. Deshalb fordert er:

„Von nun an müssen wir alle Komponisten mit vollem Namen aussprechen, wenn wir über Musik schreiben oder reden.“

Damit wäre das Problem laut dem Musikprofessor gelöst: „Wenn wir stattdessen ‚Johannes Brahms und Edmond Dédé‘ sagen, behandeln wir beide Komponisten als unserer Aufmerksamkeit gleichermaßen würdig.“

Lehrstück linker Unlogik

Professor White gibt zu, dass das sogenannte „Fullnaming“ nur ein kleiner Akt in Anbetracht jahrhundertelanger Ungerechtigkeiten wäre. Wenigstens würde man so keinen Schaden mehr anrichten. Auch verweist der Musikwissenschaftler darauf, dass das Konzept des „Fullnamings“ nicht gänzlich neu sei.

Wer Brahms nicht „Johannes Brahms“ nennt, soll angeblich Minderheiten diskriminieren.
Gemeinfrei

Zuvor hätten Wissenschaftler schon bemängelt, dass Frauen großer Komponisten, die ebenfalls Musik geschrieben haben, diskriminiert würden, indem man ihre Nachnamen in erster Linie mit ihren Männern in Verbindung bringt. Beispiele dafür wären Clara Schumann, Frau von Robert Schumann und Alma Mahler, Frau von Gustav Mahler.

Whites Fazit: „Jedermanns vollen Namen zu nutzen, erlaubt es, sich mehr auf die Musik selbst konzentrieren, als auf vergangene kulturelle Praktiken, die weiße Männer auf Kosten anderer hervorhoben.“