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Die zwei evangelischen Professoren Dr. Schorsch und Dr. Bauks sind der Meinung, dass Adam kein Mann gewesen ist. Damit widersprechen sie der traditionell-christlichen Bibelauslegung.

Vortragsthema »Fluides Geschlecht«

Prof. Dr. Stefan Schorsch von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg war Gastgeber der Theologischen Tage mit dem Titel: „Fluides Geschlecht“. Die traditionelle Kirchenlehre, dass es nur zwei Geschlechter gibt, sieht er als falsch an.

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Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

„In der hebräischen Bibel finden sich sehr verschiedene kulturelle Entwürfe von Geschlechterrollen, von Sexualität und auch von Partnerschaft und Familie“, verkündete Dr. Schorsch. Auch Prof. Dr. Michaela Bauks von der Universität Koblenz-Landau vertritt ähnliche Thesen.

War Adam geschlechtslos oder Protoplast?

Möglicherweise sei Adam geschlechtslos gewesen, sagt Dr. Bauks: „Einige Texte bezeugen die Erschaffung eines männlichen Paares, andere die eines männlichen und weiblichen Typs.“

Welche Texte das seien, wird nicht erläutert. Man bezog sich allerdings nicht nur auf die Bibel, sondern auch auf „altorientalische Schöpfungsmythen“ und „rabbinische Perspektiven“, so die Werbung der Tagung.

Gemeinfrei

Dr. Bauks ist auch für andere Thesen offen, sagt sie. So beschäftige sie sich mit der Frage, ob Adam nicht ein Protoplast gewesen sein könnte. Ein Protoplast ist der Inhalt einer Pflanzenzelle.

»Als Mann und Frau erschuf er sie«

Die Kirchen zögen Bibelzitate zum Thema geschlechtlicher Identität oft „dekontextualisiert“ heran, also aus dem Zusammenhang gerissen, sagte der in der DDR aufgewachsene Dr. Schorsch. Auf der Tagung wollte man durch „eine den Texten gerecht werdende biblisch-theologische Argumentation“ zur „Versachlichung und Vergemeinschaftung“ beitragen.

Gläubige Christen sehen hingegen wenig Spielraum in dem Schöpfungsbericht im Buch Genesis. Dieser hat sich seit Jahrtausenden nicht verändert: „So schuf Gott den Menschen nach seinem Abbild, nach Gottes Abbild schuf er ihn, als Mann und Frau erschuf er sie.“ (Gen. 1:27)