FlinkFeed: Vor kurzem hat Sie ein Journalist einer Lokalzeitung kontaktiert. Hinterher schrieb er, es hätte ihm sekundenlang die Sprache verschlagen. Warum?

Andrew Onuegbu: Ich vermute, das lag daran, dass ich mich am Telefon nicht immer mit Vor- oder Nachnamen melde, sondern mit „Mohrenkopf“.

FlinkFeed: Warum machen Sie das?

Andrew Onuegbu: Ganz einfach: Weil es das ist, was ich bin. Ich bin ein Mohr und ich stehe dazu. Und natürlich wegen meines Restaurants „Zum Mohrenkopf“.

»Ich bin ein Mohr und ich stehe dazu.«

FlinkFeed: Wie kam es dazu?

Andrew Onuegbu: Nach meinem Abitur hatte ich eigentlich schon eine Zusage für ein Jurastudium an der Boston University. Aber in meiner Heimat in Biafra in Afrika gibt es so etwas wie Bafög nicht. Wenn die Eltern nicht genug Geld haben, ist der Traum schnell ausgeträumt. Deshalb konnte ich nicht nach Amerika.

Da ich aber immer schon alles Deutsche sehr geliebt habe – jede Marke, die Nationalmannschaft, alles, wo „Made in Germany“ draufsteht –, habe ich beschlossen, nach Deutschland zu gehen.

FlinkFeed: Was war Ihr erster Job in Deutschland?

Andrew Onuegbu: Angefangen habe ich als Küchenhilfe. Ich habe aber immer mit einem Auge geschaut, was der Koch macht. Und als ich ihn einmal vertreten habe, hat es den Gästen sogar noch besser als bei ihm geschmeckt. Meine Chefin hat mich dann als Koch eingestellt und mir später die Ausbildung ermöglicht.

Andrew Onuegbu

FlinkFeed: Klingt am Ende doch nach dem amerikanischen Traum?

Andrew Onuegbu: Ja, auf jeden Fall. Angefangen habe ich als Küchenhilfe, jetzt hab ich mein eigenes Restaurant.

FlinkFeed: Und warum heißt das „Zum Mohrenkopf“?

Andrew Onuegbu: Das hat zwei einfache Gründe: Im Mittelalter war der Mohrenkopf eine Auszeichnung von Fürsten für gute Küchen. Ganz so wie die Sternebewertung heute. Erstens. Und zweitens: Ich bin ein Mohr, ich bin stolz darauf und ich stehe dazu.

FlinkFeed: Haben Sie auch Erfahrung mit Rassismus in Deutschland gemacht?

Andrew Onuegbu: Ich bin seit 28 Jahren in Deutschland und habe erst eine Negativerfahrung gemacht.

»Ich habe ihnen gesagt, dass ich hier der Chef bin, aber sie haben mir nicht geglaubt.«

FlinkFeed: Was ist passiert?

Andrew Onuegbu: An einem sonnigen Sonntag stand mal ein Pärchen vor meinem Restaurant, ein schwarzer Mann und eine weiße Frau. Als sie reinkamen, hat der Mann mich sofort angesprochen und gesagt: „Bruder, warum arbeitest du bei Nazis?“

Ich habe geantwortet, dass ich nicht verstehe, was er meint. Seine Frau sagte dann: „Das ist auch egal. Wir wollen sofort deinen Chef sprechen!“

Ich habe ihnen gesagt, dass ich hier der Chef bin, aber sie haben mir nicht geglaubt. Sie wollten, dass ich in die Küche gehe und meinen Chef hole.

FlinkFeed: Was haben Sie dann gemacht?

Andrew Onuegbu: Ich meinte: „Ok, ich hole meinen Chef.“ Ich bin dann in die Küche gegangen, hab zwei, dreimal meine Bratkartoffeln geschwenkt, kam wieder raus und sagte: „Ich bin der Chef, was kann ich für Sie tun?“

FlinkFeed: Wie haben die beiden reagiert?

Andrew Onuegbu: Sie warfen mir vor, dass ich wohl nicht wüsste, was „Mohrenkopf“ heißt. Sie dachten, ich hätte den Namen übernommen. Ich habe ihnen dann erklärt, dass ich mir den Namen selbst ausgesucht habe und warum.

Andrew Onuegbu

FlinkFeed: Wie ist die Sache ausgegangen?

Andrew Onuegbu: Sie haben bei mir gegessen und es hat ihnen sehr geschmeckt.

FlinkFeed: Der Fall einer „Mohren-Apotheke“ in Dortmund machte Schlagzeilen. Die Black Community Foundation fordert eine Umbenennung, weil „Mohr“ rassistisch sei. Wie bewerten Sie das?

Andrew Onuegbu: Viele Schwarze spielen leider ohne nachzudenken schnell die Opferkarte. Muhammed Ali ist das beste Beispiel.

FlinkFeed: Warum das?

Andrew Onuegbu: Muhammed Ali hat den Namen, den sein Vater ihm gegeben hat, abgelegt. Er wusste, dass Cassius Clay irgendwas mit Sklaverei zu tun hatte und wollte damit nichts zu tun haben.

Er hat sich dann Muhammed Ali ausgesucht, ohne zu wissen, dass sowohl Mohammed als auch dessen Enkel Ali Schwarze als Sklaven hielten. Cassius Clay dagegen hat gegen die Sklaverei in Amerika gekämpft und war maßgeblich an ihrem Verbot beteiligt.

Der ganze Fall ist symbolisch für die heutige Zeit. Jetzt wollen auch viele Schwarze die Dinge abschaffen, die eigentlich sehr positiv für sie sein sollten.

»Ich weiß selbst, wann meine Gefühle verletzt sind. Das muss mir keiner erklären.«

FlinkFeed: Der Protest, der gerade stattfindet, wird ja aber auch oft von Weißen getragen.

Andrew Onuegbu: Ich halte das für rassistisch, wenn mir ein Deutscher erklären will, wann meine Gefühle verletzt sind. Ich weiß selbst, wann meine Gefühle verletzt sind. Das muss mir keiner erklären.

Es gibt aber leider viele Besserwisser-Deutsche, die glauben, wenn sie ein paar Logos abschaffen, Produkte umbenennen und Wörter verbieten, hätten sie was gegen Hass und Rassismus getan. Dabei sind sie es selbst, die aus Hass und Rassismus handeln.

Und wenn wir jetzt aus Bequemlichkeit nichts dagegen tun, dann nimmt das kein gutes Ende.

🔥 Jetzt FlinkFeed folgen:
➡️ Auf Facebook liken!
➡️ Auf Telegram abonnieren!