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Eine Studie über belgische Fachkräfte der Neugeborenenmedizin enthüllt, dass 89 Prozent der Befragten die Euthanasie von behinderten, lebensfähigen Säuglingen vornehmen würde. Italienische Philosophen argumentieren, selbst kerngesunde Neugeborene hätten mit der Geburt noch kein Recht auf Leben.

Neugeborene einschläfern sei »vertretbar«

Die u.a. von der Universität Ghent finanzierte Studie „Einstellungen von Gesundheitsfachkräften zu Schwangerschaftsabbrüchen in der lebensfähigen Phase“ befragte ärztliches und nichtärztliches Personal von Neugeborenenstationen in der nordbelgischen Region Flandern, das mit Spätabtreibungen zu tun hat. So werden Abtreibungen bezeichnet, die nach dem Zeitpunkt der Lebensfähigkeit eines Kindes durchgeführt werden.

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Auf die Umfrage antworteten 79 Prozent der angeschriebenen Fachkräfte. Eine Spätabtreibung im Falle einer ernsten, aber nicht-tödlichen Diagnose halten 95,6 Prozent der Befragten für verantwortbar (bei tödlichen Diagnosen 100 Prozent).

Schockierend: Neun von zehn Teilnehmern stimmten der Aussage zu, dass es „vertretbar“ sei, „im Falle einer ernsten (nicht-tödlichen) Behinderung“ auch bei „Neugeborenen“ mit Medikamenten den Tod herbeizuführen.

Todesurteil wegen Klumpfuß?

Während man allgemein in den ersten vier Wochen nach der Geburt als „neugeboren“ gilt (neonatale Phase), wird die Bezeichnung „ernst (nicht tödlich)“ im Studienbericht nicht näher erläutert. Im Abtreibungsgesetz des Vereinigten Königreichs gilt die gleichlautende Bezeichnung jedoch schon für Föten, bei denen das Down-Syndrom, eine Hasenscharte oder ein Klumpfuß diagnostiziert wurde.

Falls bei der Mutter psychologische Probleme vorliegen, würden 19,8 Prozent auch einen kerngesunden Fötus spätabtreiben – jeder fünfte Fachmediziner! Fast einer von sieben würde dies auch bei sozioökonomischen Sorgen tun.

„Im Vergleich mit nicht-ärztlichem Fachpersonal ziehen Ärzte den Fötusmord der Palliativversorgung von Neugeborenen im Falle von nicht-tödlichen Krankheiten vor“, heißt es weiter.

Belgien Vorreiter bei „Sterbehilfe“

Der katholische Theologieprofessor Charlie Camosy sagte der Katholischen Nachrichtenagentur, die Ergebnisse überraschten ihn angesichts der belgischen Förderung der Euthanasie für alte und kranke Menschen nicht:

„Belgien ist ein Beispiel dafür, was geschieht, wenn die grundsätzliche Gleichheit der Menschen und ihre Würde preisgegeben wird zu Gunsten eines utilitaristischen Kalküls darüber, was ein bestimmtes Leben nützlich und ein anderes für die Preisgabe und Entsorgung geeignet macht. Manchmal auch mit Gewalt.“

In diesem Zusammenhang erwähnte Camosy, der an der New Yorker Fordham University lehrt, auch einen Bericht der New York Times, demzufolge belgische Krankenhäuser ältere oder behinderte COVID-19-Patienten nicht hätten behandeln wollen – trotz vorhandener Bettenkapazität.

So gesehen sei es „nicht überraschend, dass bestimmte neugeborene Babys nicht ‚zählen‘ und möglicherweise verlassen oder getötet werden“.

Kindsmord wird „Abtreibung nach der Geburt“

Die Studie schlussfolgert, das mit Spätabtreibungen befasste Fachpersonal in Flandern fordere „Änderungen der Gesetze in Bezug auf die aktive Lebensbeendung in der fötalen und neonatalen Phase“.

In solchen Zusammenhängen könnte ein 2012 von den italienischen Philosophen Alberto Giubilini and Francesca Minerva verfasster Aufsatz zurate gezogen werden. Im Journal of Medical Ethics argumentierten sie für „Abtreibung nach der Geburt“:

„So es nach der Geburt zu Umständen kommt“, halten sie fest, „die eine Abtreibung gerechtfertigt hätten, sollte erlaubt sein, was wir Abtreibung nach der Geburt nennen.“ Diese Formulierung sei dem Begriff „Kindesmord“ vorzuziehen, da Neugeborene kognitiv betrachtet noch auf dem Entwicklungsstand von Föten seien.

„Daher behaupten wir, dass die Tötung eines Neugeborenen in denselben Umständen von Abtreibungen ethisch zulässig sein könnte. Zu solchen Umständen zählen Fälle, in denen das Neugeborene das Potential hat, ein (zumindest) hinnehmbares Leben zu füllen, doch das Wohlsein der Familie riskiert ist.“

Aufgrund des linken Zeitgeists der Verantwortungslosigkeit und da immer mehr jungen Menschen glauben gemacht wird, in ein paar Jahren ginge ohnehin die Welt unter, haben wir von der Idee, Neugeborene dürfe man töten, wohl noch nicht das letzte gehört.