Die Academy Awards werden jetzt richtig ‚woke‘. Ab 2024 müssen Filme strenge Inklusionsvorgaben erfüllen, um in der Kategorie „Bester Film“ nominiert werden zu dürfen. Wir haben uns angeschaut, wie viele Oscar-Preisträger an den bunten Kriterien gescheitert wären.

Goodbye künstlerische Freiheit

Die neuen „Maßstäbe sollen gleichberechtigte Repräsentation auf und jenseits der Leinwand fördern“, erläutert die Academy in einem am 8. September 2020 veröffentlichten Schreiben. So wolle man „die Diversität des Kinopublikums besser widerspiegeln“.

Studios, die ein Auge auf die Auszeichnung als bester Film des Jahres werfen, müssen fortan mindestens zwei von vier Vorgaben erfüllen.

Diese Vorgaben müssen Filme künftig erfüllen

Die erste Vorgabe besagt: Mindestens eine Hauptrolle, beziehungsweise eine bedeutsame Nebenrolle, muss von einem Nicht-Weißen gespielt werden. Wenn nicht, müssen alternativ mindestens 30 Prozent der Nebenrollen und kleineren Rollen aus ethnischen oder sexuellen Minderheiten, Frauen oder Behinderten bestehen. Stattdessen akzeptiert die Academy es aber auch, wenn sich einfach gleich die ganze Filmhandlung um eine dieser Gruppen dreht.

Ähnlich ist die zweite Vorgabe aufgebaut, die sich auf die Crew und das Kreativteam bezieht. Frauen, Behinderte, ethnische oder sexuelle Minderheiten müssen mindestens zwei Abteilungen leiten. Alternativ müssen mindestens sechs weitere höhere Posten oder 30 Prozent der Gesamtcrew „inklusiv“ besetzt sein.

Sind diese Kriterien nicht erfüllt, kann das Studio sich auch qualifizieren, indem es Minderheiten ausbildet oder ihnen etwa bezahlte Praktikumsstellen anbietet (Vorgabe 3) und Minderheiten im Marketing und Vertrieb fördert (Vorgabe 4).

Wir meinen: Es wird nicht allzu lange dauern, bis diese letzten beiden Vorgaben nicht mehr ausreichen werden. Schon jetzt bezeichnen Linke sie als Feigenblatt für Studios, um so weiter zu machen wie bisher.

And the Oscar goes to…

Wir haben uns mal einen Überblick verschafft, welche Gewinner in der Kategorie „Bester Film“ der letzten Jahre angesichts der ersten zwei Zwangsvorgaben heute überhaupt noch eine Chance hätten.

1

Der erste fremdsprachige „Beste Film“ wird auch morgen garantiert noch durchgewinkt. Cast und Crew sind immerhin Asiaten und nicht Weiße. Quote erfüllt.

2

Das Ethno-Drama Green Book hat es da schon schwieriger. Es punktet zwar bei Filmhandlung und Besetzung. Dafür sieht die Crew aber wenig divers aus. Quote nicht erfüllt.

3

Eine Frau im Zentrum der Handlung, eine homosexuelle Nebenfigur und ein böser weißer Mann als Schurke? Krass: Der Gewinner von 2018 würde in Zukunft dennoch an den Vorgaben scheitern. Cast und Crew sehen nicht bunt genug aus. Quote nicht erfüllt.

4

Die Geschichte über einen schwulen Afroamerikaner ist ein inklusiver Traum, was die Besetzung betrifft. Und auch die Crew erfüllt die Quote. Quote erfüllt.

5

Dieser Oscargewinner, den eigentlich niemand kennt, würde nun gar nicht mehr nominiert werden dürfen. Da hilft auch der japanische Kameramann nichts. Quote nicht erfüllt.

6

Der Regisseur ist aus Mexiko, aber sonst sieht es ziemlich dürftig für den Vogelmann aus. Quote nicht erfüllt.

7

So etwas möchte die Academy fortan bitte öfter sehen. Quote erfüllt.

8

Die Ausstattung und das Casting haben Frauen verantwortet. Der Kameramann ist Mexikaner. Doch die Besetzung von Ben Afflecks CIA-Thriller ist einfach viel zu weiß. Quote nicht erfüllt.

9

Schade, dass Franzosen nicht als Minderheit zählen. So hätte dieser Gewinner aus der Grande Nation fortan keine Chance mehr. Quote nicht erfüllt.

10

Einen weißeren Cast kann man sich zwar kaum vorstellen, aber The Kings Speech dürfte auch ab 2024 noch antreten. Die Crew müsste die Inklusionsvorgaben gerade so erfüllen. Ausschlaggebend ist aber, dass die Handlung ein Handicap thematisiert, nämlich das Lispeln von König George VI. Quote erfüllt.

11

Das Kriegsdrama wurde gefeiert, weil hier zum ersten Mal eine Frau den Regie-Oscar gewann. Noch ein schwarzer Nebendarsteller und die Quote ist erreicht. Quote erfüllt.

12

Okay, das ist wieder unfair. Der Film handelt schließlich von Indern und spielt in Indien! Quote erfüllt.

13

Eigentlich müsste es bald No Counry for white Men heißen, aber Javier Bardems preisgekrönte Nebenrolle holt den Punkt für die diverse Besetzung. Trotz mehrerer Frauen in der Crew reicht das allerdings nicht… Quote nicht erfüllt.

14

Armer Martin Scorsese. Jahrzehntelang gefeiert und 2007 endlich zu Oscar-Ehren gekommen, würden seine Mafia-Meisterwerke bald nicht einmal mehr nominiert werden. Quote nicht erfüllt.

15

Die Handlung handelt von Rassenkonflikten, was auch auf die Besetzung abfärbt. Aber augenscheinlich nicht auf die Crew. Sorry, so wird das in Zukunft nichts mehr mit dem Oscar. Quote nicht erfüllt.

16

Die erste Vorgabe erfüllt Clint Eastwoods Meisterwerk mit einem Knockout: Hauptrolle weiblich, Nebenrolle schwarz. Aber hinter der Kamera sieht es ziemlich „einseitig“ aus. Quote nicht erfüllt.

17

Hätte der Abschluss der besten Fantasy-Trilogie aller Zeiten nochmal eine Chance auf den größten Filmpreis der Welt? Kurze Antwort: Nein. Bestimmt ist die geplante Amazon-Serie viel bunter gecastet. Quote nicht erfüllt.

18

Das Musical hat nicht nur eine, sondern gleich zwei weibliche Hauptfiguren. Autor Bill Condon ist außerdem schwul und das Team bestand auch aus jeder Menge Frauen. Aber leider, leider: keine ethnischen Minderheiten. Quote nicht erfüllt.

19

Die Schizophrenie des Mathegenies John Nash, den Russel Crowe einfach genial verkörpert, geht als Behinderung durch, was einen Punkt für die Filmhandlung gibt. Das wars aber auch schon. Quote nicht erfüllt

20

Schade, dieses großartige Sandalenepos würde heute wohl gegen jeden drittklassigen Netflix-Streifen verlieren, solange die Römer bunt genug sind. Quote nicht erfüllt.

21

Ein schwuler Autor und ein indischer Cutter, nicht schlecht. Aber wenn die Handlung über einen weißen Vorstädter in der Midlifecrisis diesen schwarzhumorigen Klassiker nicht disqualifiziert – der inzwischen als Me-Too-Monster geltende Kevin Spacey täte es garantiert. Quote nicht erfüllt

22

So weiß wie die Pobacken des Produzenten und ‚Frauenschwarms‘ Harvey Weinstein. Quote nicht erfüllt

23

Regisseur James Cameron machte mit seinem Megahit das Filmstudio und die Taschentuchindustrie gleichermaßen glücklich. Elf Oscars waren dem Untergangsepos gewiss. Fortan wäre es einer weniger. Als „Bester Film“ dürfte Titanic ab 2024 nicht mehr nominiert werden. Quote nicht erfüllt