Rassismus-Debatten haben wieder Konjunktur. Gut so, sagen viele. Alltagsrassismus sei nämlich vor allem in westlichen Gesellschaften ein riesen Problem.

Um zu prüfen, ob man selbst Teil dieses Problems ist, haben zwei US-Universitäten einen Online-Test entwickelt. Wir haben ihn gemacht.

Rassismus-Quiz für Snowflakes

„Um herauszufinden, wie rassistisch Sie sind, geben Sie an, inwieweit Sie mit jeder der folgenden Aussagen einverstanden sind oder nicht“, leitet das Quiz den Nutzer an.

via IDRlabs.com

20 Fragen haben sich die Wissenschaftler der Universitäten von Maryland und Santa Barbara einfallen lassen. Die basieren auf „Forschungsergebnissen“, die „in wissenschaftlichen Zeitschriften veröffentlicht wurden“.

Mit eingeflossen seien aber auch die „tatsächlichen, gelebten Erfahrungen nicht-weißer Einwanderer in westlichen Nationen, vor allem in den USA“. Also doch nicht so komplett seriös?

Was war nochmal Rassismus?

Der akademisch anmutenden Bewerbung entsprechend, erwartet man als Nutzer knallharte, empirische Analytik. Doch schon Frage 1 irritiert.

Da soll man angeben, ob es „ok ist davon auszugehen, dass die Küchen in Restaurants, die Nicht-Weißen gehören, im Allgemeinen schmutziger sind als die Küchen in Restaurants, die Weißen gehören.“

via IDRlabs.com

Was soll man darauf antworten? Hat irgendjemand schon mal von dieser Form von Hygiene-Rassismus gehört? Kennt wer irgendwen, der die Sauberkeit einer Küche an der Hautfarbe der Restaurant-Betreiber festmachen will – statt zum Beispiel an der tatsächlichen Sauberkeit im Sitzbereich?

Und mal angenommen es wäre so und jemand hätte wirklich den Eindruck, dass deutsche Küchen sauberer sind. Ist das dann Rassismus?

Test fragt eher sozial-konformes Antworten ab

Ok, weiter geht’s. Jetzt wird’s bestimmt deutlich fundierter. Ups, Fehlanzeige. Frage 2 will wissen, ob es in Ordnung ist, „nicht-weiße Charaktere in Fernsehsendungen so darzustellen, als würden sie schlechtes Deutsch oder mit einem starken Akzent sprechen“.

via IDRlabs.com

Als Nutzer weiß man natürlich, was man antworten soll. Aber mal ehrlich: Serien wie Die Simpsons, Fresh off the Boat oder Alle hassen Chris spielen permanent mit kulturellen Stereotypen. Das nennt man Humor.

Ist das jetzt rassistisch? Dumme Frage. Natürlich! Die nächsten Fragen schlagen in dieselbe Kerbe.

Suggestive und durchschaubare Fragen

Später wird’s dann wieder kurz interessant. Gefragt wird, ob man davon ausgehen darf, dass „Nicht-Weiße ihren Stereotypen gerecht werden (z.B. Schwarze sind gut im Sport, Asiaten sind gut in Mathematik usw.).“

Man wundert sich angesichts dieser tumben Klischeeabfragen unweigerlich: Haben die verantwortlichen Wissenschaftler den Test für 5-Jährige konzipiert?

via IDRlabs.com

Ein richtiger Klopper ist dann auch Frage Nummer 4. Da soll man zustimmen, ob es beleidigend sei, Nicht-Weiße zu fragen, „wo sie wirklich herkommen“. Wieder so eine Fang-Frage. Wieder kennt man die „richtige“ Antwort.

White Supremacy überall

Auch das Thema „racial profiling“ wird angeschnitten. Da soll man sagen, ob es ok ist, wenn „westliche Regierungen“ Nicht-Weiße für Handlungen untersuchen oder festnehmen, die, „wenn sie von Weißen durchgeführt werden, keinen Verdacht erregen würden“.

Die erwünschte Antwort wird auch hier mitgeliefert. Dass zum Beispiel die Polizei in Berlin die Erfahrung gemacht hat, dass der Drogenhandel im Görlitzer Park hauptsächlich von Schwarzen betrieben wird, ist im Sinne des Tests eindeutig Rassismus.

»Sie sind zu 47 % allgemeinrassistisch!«

Hat man alle Fragen beantwortet, erhält man ein in vier Rassismus-Kategorien aufgefächertes Ergebnis. Dabei steht das eigene Resultat im Kontrast zu einem, wie es heißt, „Durchschnitt der Bevölkerung“.

via IDRlabs.com

Besonders interessant: Bleibt man bei allen Fragen neutral, ist man schon einmal 50 % Rassist in allen vier Kategorien. Wer es selbst versuchen möchte: Hier geht’s zum Test!