Im Jahr 2012 erschien der dystopische Klimabericht „2052“ an den einflussreichen Club of Rome. Er endet mit „persönlichen Ratschlägen“ des Autors Jorgen Randers, einem sogenannten Zukunftsforscher. Wir stellen die verstörendsten Tipps für den Weg in die angebliche Klimaapokalypse vor und fragen uns: Fühlt sich beim Lesen eigentlich noch jemand ständig an Lockdown und Corona erinnert?

1Besuch‘ Deine eigene Familie nicht mehr!

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Seit Lockdowns und Kontaktbeschränkungen gelten, gibt’s sogar schon Beerdigungen via Livestream. Randers wird’s freuen. Er glaubt, die virtuelle Realität der Zukunft wird Familientreffen unnötig machen. Uns fragt er: „Und wenn Ihre Mutter dreidimensional und geruchsecht elektronisch in den Baum projiziert wird, wie oft werden Sie sie dann noch tatsächlich besuchen fahren?“

Anders gefragt: Wer wird seine Mutter eigentlich noch besuchen fahren können, wenn das Autofahren, wie wir es kennen, abgeschafft wird?

 

2Lass‘ Deine Kinder nicht draußen spielen!

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Sohnemann hockt den ganzen Tag vorm PC, statt auch mal rauszugehen? „Sagen Sie lieber nichts“, empfiehlt Randers in solchen Fällen. Die Freuden der Natur solle man seinem Nachwuchs ohnehin besser vorenthalten – zu seinem eigenen Schutz, versteht sich. Sein Rat: „Erziehen Sie Ihre Kinder nicht zu Naturliebhabern“.

„Die neue Generation“, so Randers, „lernt besser von Anfang an, im pulsierenden Leben der Megastädte zu Frieden, Ruhe und Zufriedenheit zu finden und bei endloser Musikuntermalung in den Ohren.“

 

3Flieg‘ nicht, sondern mach‘ Urlaub im Wohnzimmer!

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Warum lange Flugreisen auf sich nehmen, wenn die Urlaubserfahrung auch irgendwie virtuell geht? Randers zufolge will sich der „Mensch der Zukunft“ nicht mehr „in der sengenden Sonne mit einer Horde anderer Touristen um das Original drängen, wenn man die Touristenerfahrung mit dem eigenen Edutainment-System zu Hause auf Knopfdruck viel umfassender erfahren kann“. Selbstredend, dass die „billigere Alternative auf der Couch“ auch ökologischer ist.

 

4Gewöhn‘ Dich an die Zukunft – nicht an die Gegenwart!

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Dinge, die wir als Kinder und junge Menschen gern taten, mögen wir meistens auch noch im Alter. Laut Randers ist das ein Problem. Er warnt: „Wenn Sie nicht eingreifen, werden Ihre Vorlieben durch Ihr bisheriges Leben bestimmt, was dazu führen wird, dass Ihnen die Zukunft nicht gefallen wird.“

Die Lösung: den „eigenen zukünftigen Geschmack so beeinflussen […], dass er zur Zukunft passt.“

 

5Liebe es, eingepfercht zu sein!

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Randers glaubt zu wissen, dass die Zukunft „in kompakten, überfüllten Städten“ stattfinden wird. Die meisten Menschen würden in solchen Megastädten in einer Hochhauswohnung leben.

Weil das so ist und weil man sich ja jetzt schon an die Zukunft gewöhnen soll, rät der Norweger: „Gewöhnen Sie sich daran, Ihre Wohnung jedem anderen Zuhause vorzuziehen.“

 

6Pfeif auf Dein Einkommen!

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Viel Geld verdienen? Wirtschaftlich aufsteigen? Für die postindustrielle Welt der Zukunft völlig ungeeignet, glaubt Randers. Macht nix, denn er predigt: „Befriedigende Arbeit ist Arbeit für etwas, an das Sie glauben, mit gewissen Erfolgsaussichten.“

Vage Positivbeispiele seien Menschen, die schon heute für „Regierung, Universitäten und Nichtregierungsorganisationen“ arbeiten. Kurzum: Im Postkapitalismus sind der Staat und seine Freunde die Hauptarbeitgeber – vorausgesetzt, man verhält sich stets artig und konform.

 

7Bring‘ Deinen Kindern nicht die Kultur Deiner Heimat nahe!

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Um sie schonmal auf die unheilvolle Zukunft vorzubereiten, sollten Eltern ihrem Nachwuchs Lektionen in Naturkunde, Folklore und lokaler Sprache ersparen. Randers: „Und im ungünstigsten Fall werden die Kinder ihr Leben lang unglücklich, weil sie mühsam die falschen Werte gelernt haben.“

 

8Zieh‘ in ein undemokratisches Land!

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Länder mit Demokratie und freier Marktwirtschaft seien in ihrem Tun kurzfristig orientiert und würden die angeblichen Folgen des Klimawandels daher schon systembedingt unterschätzen, glaubt Randers.

Seinen Lesern empfiehlt er daher, in ein Land zu ziehen, „das sich nicht allein auf Demokratie und Marktwirtschaft verlässt“. So hätte die Einparteien-Diktatur China durchaus „die Möglichkeit, vorrausschauend zu handeln“. Die einzige politische Institution, die den Bürgern beim Klimaschutz eine „vorausschauende Politik aufzwingen“ konnte, sei bislang aber die EU. Erklärung: ein Mangel demokratischer Kontrolle.

In einem Interview von 2019 lobte auch die grüne Kanzlerhoffnung Robert Habeck das chinesische Modell: „Da gibt’s eben keine Opposition und keine Mitbestimmung.“ Das wolle er auch für Deutschland, sagte Habeck unverblümt. Natürlich käme er zu dieser Entscheidung rein „wertegeleitet“.

 

9Täusche die Wähler!

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Randers hat auch Empfehlungen für Politiker parat. Diese müssten damit leben, dass ihre Wähler kurzfristige Ergebnisse sehen wollen. Weil das nicht gut zur Klimapolitik passt, rät er zum passenden Framing:

Statt z. B. zu behaupten, dass Elektroautos Treibhausemissionen verringern und somit die ferne Zukunft retten, solle man lieber mit der sofortigen Lärmreduktion werben.

 

10Sag‘ tschüss zur Meinungsfreiheit!

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Auch Randers letzter Ratschlag richtet sich an die Politik und hat es nochmal so richtig in sich. Er lautet: „Akzeptieren Sie, dass der gleichberechtigte Zugang zu begrenzten Ressourcen wichtiger werden wird als die Redefreiheit“.

Randers glaubt: „In einer zunehmend überfüllten Welt wird das kollektive Wohlergehen wichtiger werden als die Rechte des Einzelnen.“