Tam Hong ist 28, stammt aus Vietnam und ist AfD-Mitglied. Sie ist das Gesicht eines viralen Posts der AfD-Jugendorganisation Junge Alternative in Reaktion auf einen Facebook-Beitrag der Jungen Union.

Darin hatte die JU neben dem Bild einer Frau mit asiatischem Aussehen suggestiv gefragt: „Arbeite ich in einem Nagelstudio oder in der CSU-Parteizentrale?“ Die Aktion ging nach hinten los, die JA-Parodie dagegen wurde über tausendmal geteilt. FlinkFeed hat mit Tam gesprochen!

»ich wurde noch nie gefragt, ob ich zufällig in einem Nagelstudio arbeite.«

FlinkFeed: Hallo Tam, wie oft hat dich schon jemand gefragt, ob du in einem Nagelstudio arbeitest?

Tam Hong: Seit dem Post der Jungen Union ein paar Mal am Tag. Nein, Spaß beiseite: Ich wurde noch nie gefragt, ob ich nicht zufällig in einem Nagelstudio arbeite.

FlinkFeed: Wie findest du die Aktion der Jungen Union?

Tam Hong: Löschwürdig, um ehrlich zu sein, sinnfrei und unnötig. Sie sollten den Post einfach entfernen.

FlinkFeed: Die Jugendorganisation der NRW-AfD hat der JU mit einem Bild von dir gekontert. Du bist nämlich in der AfD und nicht z. B. in der CDU. Wie bist du zur Alternative für Deutschland gekommen?

Tam Hong: Das hatte viele, vor allem ganz alltägliche Gründe: Ich war es leid, auf dem Weg zur Arbeit jeden Morgen neben leeren Baustellen im Stau zu stehen oder zu hören, wie schon Kindergartenkinder mit abwertendem Straßenjargon um sich werfen. Gleichzeitig erklären andere das Bildungssystem für gescheitert, die wöchentlich blaumachen. Auch so etwas Alltägliches, wie abends über einen Parkplatz, durch Parks oder kleinere Straßen zu gehen, ist zunehmend mit einem Gefühl der Unsicherheit verbunden. Ich habe mich einfach gefragt, wofür ich Steuern zahle, obwohl jahrelang nichts besser, sondern sogar schlechter wird.

»Da musste ich also erstmal gegen viele vorurteile kämpfen.«

FlinkFeed: Weiß dein privates Umfeld von deiner Parteizugehörigkeit? Falls ja, wie waren die Reaktionen?

Tam Hong: Zunächst verhalten. Auch mein Umfeld orientiert sich an den „Nachrichten“, die ganz klar politische Schlagseite haben. Da musste ich also erstmal gegen viele Vorurteile kämpfen.

FlinkFeed: „Vorurteile“ sind ein gutes Stichwort. Viele Migranten sind in der CDU politisch aktiv. Die CDU stellte sogar die erste muslimische Bundestagsabgeordnete. Warum soll man im Jahr 2020 eigentlich nicht denken, dass eine Asiatin für die CSU arbeitet, wie der JU-Post suggeriert?

Tam Hong: Dafür gibt es keinen Grund. Aber wenn jemand nicht gleich darauf kommt, dass die Frau zufällig in der CSU-Parteizentrale arbeitet, ist er noch lange kein Rassist. Denkmuster, wie sie die JU beklagt, sind menschlich. Klischees basieren auf Erfahrungswerten. Sie treffen nicht auf jeden zu, aber deshalb heißen sie ja auch „Klischees“.

AfD Hilden

FlinkFeed: Du kommst aus Vietnam. Welche Rolle spielt deine Herkunft in der AfD?

Tam Hong: Mein Migrationshintergrund spielt in meiner Partei keine Rolle. Und was viele nicht wissen: Die AfD hat mehr Bundestagsabgeordnete mit Migrationshintergrund als CDU und FDP. Nach deren absurden Logik müssten sie sich also selbst als „Rassisten“ bezeichnen und ihre Denkmuster ändern.

»Es gibt in deutschland keinen latent flächendeckenden Rassismus.«

FlinkFeed: Warum wird die Rassismus-Debatte gerade jetzt so heftig geführt?

Tam Hong: Jedenfalls nicht wegen tatsächlicher Probleme. Es gibt in Deutschland keinen latent flächendeckenden Rassismus. Der Begriff „Rassismus“ ist ein emotionales Werkzeug derer, die keine gute politische Arbeit vorweisen können. Damit soll von echten unmittelbaren Problemen abgelenkt werden: Rente, Verschuldung, Infrastruktur, Kurzarbeit, Armut und Kindesmissbrauch.

Tam Hong

FlinkFeed: Die Junge Union heftet sich an die „Black Lives Matter“-Bewegung an. Wie findest du das?

Tam Hong: In ihrer Vorbildfunktion als gescheitert.

FlinkFeed: Mal angenommen, jemand würde wirklich denken, die Asiatin arbeitet in einem Nagelstudio – wäre das denn diskriminierend oder rassistisch?

Tam Hong: Weder noch! Rassistisch schon mal gar nicht. Meine Tante hat ein Nagelstudio, sie arbeitet 6 Tage die Woche, von morgens bis abends. Soll man sie für ihren Fleiß diskriminieren?