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Internet-Regel Nr. 34: „Wenn es existiert, gibt es davon Pornografie. Ohne Ausnahmen.“ Also was soll man zu dem Buch „My Antifa Lover“ sagen?

Das ist selbst Linken zu viel

Das betont progressive Online-Magazin Slate begrüßt zwar grundsätzlich, dass durch Amazons Kindle-Selfpublishing immer mehr Autoren veröffentlichen können, „die traditionell von der überwältigend weißen und heterosexuellen Verlagsindustrie ausgeschlossen werden“.

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An dem neuen Werk von Jessica Stranger, My Antifa Lover, werden aber zahlreiche Logiklöcher, Unklarheiten und Widersprüche auf den gerade einmal knapp 90 Seiten beklagt. Insbesondere die Teile, die sich um Politik drehen, seien völlig unverständlich, weil die Autorin „nicht kapiert zu haben scheint, wie unsere Regierung funktioniert oder wo sie sitzt“.

Bereits der Klappentext irritiert.
Screenshot Amazon

Denn während die Story des Buches in Seattle spielt – einem lokalen Zentrum der Black Lives Matter-Proteste –, ist von Institutionen die Rede, die ihren Sitz eigentlich in Washington haben. Das könnte man noch als Formalitäten abtun, aber da fängt es erst an.

Männer müssen eine Million Dollar zahlen, wenn sie sich scheiden lassen wollen

In dem Buch geht es um die junge Kongressabgeordnete Alexandria. Auch wenn der Kongress eigentlich ebenfalls in Washington zu finden ist, lernt die taffe Frau den Demonstranten Corner Smith bei Protesten in Seattle kennen.

Dreh- und Angelpunkt der Story ist ein Gesetz, das Männer verpflichtet, eine Million Dollar zu zahlen, wenn sie sich scheiden lassen wollen. Doch auch als die Abgeordnete und der Antifaschist sich nach langen, unlogisch verketteten Ereignissen endlich näherkommen, will keine so richtige Erotik aufkommen.

Sehr politisch korrekt fallen sie nicht übergriffig übereinander her, sondern schauen lediglich zusammen Dokus über Eichhörnchen. Sex gibt es keinen und geküsst wird auch nicht.

Ein Stern für die Handlung, fünf Sterne für die Haltung

Positive Stimmen über My Antifa Lover gibt es kaum. Während die Kritik bei einigen eher niedrigschwellig ansetzt – „Ich wollte, dass sie Sex haben, aber das hatten sie nicht“ – sind andere hochtrabender enttäuscht. So gibt eine Nutzerin zwar zu, dass das Buch Müll sei, aber doch immerhin ein Beweis dafür, dass Frauen sich für Politik interessieren.

Ob es dafür ein Buch gebraucht hätte, das schon im Klappentext mit der Formulierung „nicht gewalttätiges Niederbrennen eines Regierungsgebäudes“ irritiert? Das Online-Magazin Slate versucht dem Antifa-Groschenroman noch etwas Positives abzuringen:

Indem My Antifa Lover gleichermaßen seine linke Zielgruppe als auch seine konservativen Kritiker schlichtweg entnerve, würde die polarisierte Gesellschaft wenigstens in der Ablehnung dieses Buches für einen Augenblick wieder vereint.