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Drei junge Klimaaktivisten dachten, dass es bei Fridays for Future auch um demokratische Werte ginge. Die Realität holte sie schnell und heftig ein.

#KlimaschutzheißtAntifa

Die jungen Klima-Aktivisten Carla, Kilian und Niko engagieren sich in ihrer Freizeit für Fridays for Future (FFF). Organisiert haben sie sich in der Ortsgruppe Weilburg.

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Neben Protestmärchen, Malwettbewerben und Fahrrad-Demos konzipieren sie Anfang 2021 auch ein Podcast-Format namens „KLiMatalk“. Hier soll über Parteigrenzen hinweg über Klimathemen gesprochen werden.

Screenshot YouTube

Zwei Podcast-Folgen mit Politikern von CDU und FDP sind bereits im Kasten, als das Projekt ins Gerede bekommt. Schon am 18. Januar kündigt die Gruppe via Instagram an, sich auch mit Vertretern der AfD über Klima-Fragen unterhalten zu wollen. Heikel!

Screenshot Instagram

Kein Wunder: Die eigene, linksorientierte Unterstützerblase mag die Idee gar nicht.

Screenshot Twitter

Der folgende Shitstorm wäre für erfahrene Aktivisten vorhersehbar gewesen, erwischt die drei Nachwuchs-Aktivisten jedoch kalt im Nacken.

Cancel-Kannibalismus

Unverzeihlich: Trotz erstem Gegenwind wollen die Klima-Aktivisten ihren „Fehler“ nicht sofort einsehen. Statt die AfD – wie von Linkstwitter gefordert – aus dem Programm zu werfen, beharren sie auf ihrem Verständnis von demokratischer Fairness.

Eine ganze Podcast-Folge wird Mitte Februar darauf verwendet zu erklären, „Warum wir auch die AfD einladen…“

Screenshot Twitter

In dem fast einstündigen YouTube-Erklärvideo wollen die drei Aktivisten „nach der Eskalation der letzten Tage“ wieder zu einem „konstruktiven Umgang mit dem Thema“ zurückfinden.

Dass kein Weg zu einem „konstruktiven“ Austausch zurück führt, ahnen sie noch nicht. Stattdessen hagelt es Beschimpfungen aus der linken Ecke.

Screenshot Twitter

Unvermeidbar: Vertreter von SPD, Linken und Grünen sagen ihre bereits eingeplanten Auftritte im Klima-Podcast ab. Carla zitiert aus der Absage der Grünen – und gibt die Partei damit unfreiwillig der Lächerlichkeit preis:

„Bündnis 90/Die Grünen ist eine Partei mit einem Demokratieverständnis, welches deutschlandweit seinesgleichen sucht. (…) Aus diesem Grund sind wir angehalten, die Veranstaltung von FFF Weilburg zu boykottieren, da auf unseren Termin folgend auch die Alternative für Deutschland geladen wurde.“ Für die eigene „Seriosität“, so heißt es weiter, sei eine Absage deshalb „alternativlos“.

Post-demokratische Verhältnisse

„Wir haben im Prinzip einfach alle eingeladen“, erklärt Niko die Herangehensweise bei der Auswahl der Podcast-Gäste. Auch die AfD sollte als gewählte Partei die Möglichkeit bekommen, ihre Sichtweise darzulegen:

„Unserer Meinung nach ist es wichtig für eine Demokratie, dass jeder, der zur Wahl steht, die Möglichkeit bekommt, sich auch zu diesen Themen zu äußern.“ Einer von vielen verheerenden Sätzen in dem Erklärvideo der Weilburger Aktivisten.

Man sehe besonders in der Diskussion um Klima-Fragen „kein Problem mit der AfD“, da dort für die blaue Partei keine Möglichkeit bestehe, „zu diskriminieren, zu hassen oder ähnliche Sachen“. Eine „Notwendigkeit“, die AfD auszuladen, sehe man nicht, „weil sie keine Chance hat, ihre Theorien zu verbreiten“.

Die Macht des Mobs

Ist ein Dialog mit der AfD unter solchen Voraussetzungen akzeptabel? Nein. Einen Dialog mit dem politischen Gegner kann und darf es nicht geben – völlig unabhängig von Inhalt oder Intention des Gesprächs. Eine wichtige Lektion für Carla, Kilian und Niko: Der linke Mob diktiert die Regeln, niemand sonst.

Screenshot Twitter

Dass die AfD auch inhaltlich etwas zu bieten haben könnte, wollte Niko noch zuvor nicht von vorneherein ausschließen: „Nur weil eine vielleicht konstruktive Idee von der AfD ist, heißt es nicht, dass diese Idee schlecht wäre“, sagte er.

Das große Zurückrudern

Genau zwei Tage nach Ausstrahlung des gemeinsamen Videos scheint der interne Streit beigelegt. Die AfD wird nun doch nicht Gast im Podcast sein.

Screenshot Instagram

Doch damit nicht genug: Man habe sich gemeinsam entschieden, das Podcast-Format „KLiMatalk“ als Ganzes „vorzeitig abzubrechen“, heißt es im Infotext des Videos.

Screenshot YouTube

Von dem gerade noch mutig verteidigten Demokratieverständnis ist nun nichts mehr zu sehen. Kleinlaut schreiben sie zum Abschied: „Wir sind gegen Faschismus und hatten nie vor, in irgendeiner Art und Weise mit der NPD zusammenzuarbeiten“.