Anzeige

Feroz Khan ist einer der bekanntesten patriotischen Youtuber in Deutschland. Mit seinen gesellschaftskritischen Videos konnte der 30-jährige Dresdner bisher mehr als 110.000 Follower für sich gewinnen. 

Zuletzt erregte er großes Aufsehen, als er mitten in Berlin einen Change-my-Mind-Stand mit dem Slogan »All Lives Matter« aufstellte. Im Gespräch mit FlinkFeed erklärt er, wie er auf die Idee kam und warum das Format gerade in Deutschland auf große Resonanz stößt. 

Anzeige

»Ich wollte schon immer mitreden, weil ich alternative Sichtweisen mitbringe.«

FlinkFeed: Feroz, seit vier Jahren produzierst du Videos, in denen du dich kritisch mit Medien und Gesellschaft auseinander setzt. Wie kam es dazu?

Feroz Khan: Startschuss war damals mein Auftritt im WDR. Ich dachte mir, wenn das einigermaßen sitzt, dann kann ich das nutzen, um darauf meine weitere öffentliche Präsenz aufzubauen. Ich wollte schon immer mitreden, was gesellschaftliche Fragen zu unserer Gesellschaft anbelangt, weil ich glaube, dass ich neue, bisher vernachlässigte Sichtweisen mitbringe.

Feroz Khan

FlinkFeed: Du sprichst von deinem Auftritt beim WDR-Format Ihre Meinung im November 2016, als du zum ersten Mal einem breiten Publikum mit durchaus kritischen Meinungsbeiträgen auffielst. Hattest du fest eingeplant, damit deine „Karriere“ zu starten?

Feroz Khan: Ich war mir damals natürlich nicht sicher, ob ich überhaupt dran kommen würde. Aber für den Fall, dass es klappt, wollte ich meinen Auftritt als Sprungbrett für mein weiteres öffentliches Auftreten nutzen. Rückblickend kann ich sagen, dass der Plan aufging.

FlinkFeed: Vor einem Monat startete deine Berlin Edition von Change my Mind. Wie funktioniert dieses Format eigentlich? 

Feroz Khan: Ich setze mich mit einer streitbaren These auf einem großen Transparent mit Tisch, Stuhl, Kamera und Mikrofon in die Öffentlichkeit. Ich warte, bis sich jemand zu mir setzt, der mir widerspricht. Dann bin ich gespannt auf seine Argumente und will ihm meine präsentieren. Das ganze Gespräch wird dann ungeschnitten für die breite Öffentlichkeit auf meinem YouTube-Kanal achse:ostwest publiziert.

FlinkFeed: Wie kamst du auf die Idee, selbst ein Change my Mind aufzuziehen?

Feroz Khan: Für mich war es der nächste logische Schritt nach jahrelanger Produktion von Antwortvideos, Ereigniskommentaren und Meinungsblogs. In den letzten Jahren haben sich zahlreiche alternative YouTube-Kanäle entwickelt, was ich sehr befürworte. Aber der Nachteil ist die Entstehung und Beförderung von Echokammern, in denen man irgendwann nur noch im eigenen Saft stampft. Das kann auf Dauer keine Lösung sein.

»Patriotische Echokammern können auf Dauer keine
Lösung sein.«

FlinkFeed: Wie könnte denn eine Lösung aussehen?

Feroz Khan: Wir müssen uns dorthin bewegen, wo der Opponent sitzt. Mit Change my Mind platziere ich meinen Widerspruch und mich in der Höhle des politischen Gegners, dort, wo man mich nicht ignorieren kann. Das hat mich wesentlich dazu bewogen, dieses Format von Steven Crowder aus Kanada zu adaptieren.

FlinkFeed: Warum gerade in Berlin?

Feroz Khan: (lacht) Berlin ist gewissermaßen so eine Höhle. Was gewisse Fragen anbelangt vielleicht sogar die Höhle des Löwen überhaupt.

FlinkFeed: Warum fiel deine Wahl auf den Slogan »All Lives Matter«?

Feroz Khan: Erstens: Weil er stimmt. Alle Leben zählen. Egal ob auf rassischer, geschlechtlicher und/oder beruflicher Ebene.

Zweitens ist er in der aktuellen Phase der Rassismusdebatte aufgeladen genug, um den Leuten einen Anreiz für einen Diskussionseinstieg zu bieten. Alleine, dass diese harmlosen drei Worte bereits als rassistisch gebrandmarkt werden, zeigt, dass hier etwas aus dem Ruder läuft.

FlinkFeed: Was ist dein stärkstes Argument gegen Black Lives Matter?

Feroz Khan: Für mich ist das ganz klar die Affirmative Action bzw. die sogenannte positive Diskriminierung der Schwarzen in den USA. Diese Regelung an vielen Universitäten – selbst an der renommierten Harvard University! – diskriminiert den Bewerber explizit nach ethnischer Zugehörigkeit. Schwarze profitieren, wohingegen eine ostasiatische Frau selbst gegenüber einem weißen Mann nachweislich benachteiligt ist. Wie ist diese explizite institutionelle Bevorzugung mit einem angeblichen strukturellen Rassismus gegen Schwarze vereinbar?

FlinkFeed: Aber stimmt es nicht, dass Schwarze in den USA überdurchschnittlich häufig von weißen Polizisten getötet werden? Positive Diskriminierung an Hochschulen hört sich dagegen eher harmlos an.

Feroz Khan: Schwarze sind in allen relevanten Kriminalitätsstatistiken in Relation zu ihrem Bevölkerungsanteil überrepräsentiert. Mehr als die Hälfte der Morde in den Vereinigten Staaten werden durch Schwarze verübt – bei einem Bevölkerungsanteil von knapp 13 Prozent. Wenn man das in Betracht zieht, muss man zu dem Schluss kommen, dass sie bei den Ermordungen durch Polizisten sogar unterrepräsentiert sind. Was den einzelnen Fall natürlich nicht weniger tragisch macht. Aber Fakt ist: Eine Diskriminierung der Schwarzen durch die Polizei geben die Zahlen einfach nicht her.

Und selbst wenn es so wäre, sollten wir ein Unrecht nicht mit einem anderen Unrecht aufwiegen. Aber genau darauf berufen sich die Verfechter der Affirmative Action.

FlinkFeed: Hat jemand angesichts solcher Argumente die Meinung gewechselt?

Feroz Khan: Nicht, dass ich das bezeugen könnte, aber ich bin mir sicher, es hat meine Gesprächspartner auf der Straße zum Nachdenken angeregt. Was im Übrigen auch für mich gilt. Auch ich verstehe deren Standpunkte nach so einem Gespräch besser, ich verstehe, was sie dazu treibt, welche Ängste, Hoffnungen und Anreize sie für ihre Position haben. Es ist also sicherlich eine beiderseitige Interaktion.

FlinkFeed: Gab es denn jemanden, der deine Argumentation widerlegen konnte?

Feroz Khan: Tatsächlich nein. Das liegt daran, dass ich mich erst positioniert habe, nachdem ich mir alle wesentlichen Argumente angesehen habe. Im Laufe der Zeit stößt man noch auf weitere kleinere Punkte, welche jedoch unterm Strich für die Gesamtsituation nicht ausschlaggebend sind.

Feroz Khan

FlinkFeed: Es ist selten geworden, dass Menschen mit so unterschiedlichen Meinungen sachlich miteinander diskutieren können. Woran liegt das?

Feroz Khan: Je mehr auf dem Spiel steht, desto verbissener hält man an seiner Meinung fest. Wir haben eine Situation erreicht, in der alternative Meinungen nicht mehr tolerabel sind. Sie werden als Hass, Hetze und Intoleranz geframet, denen man mit Zensur oder anderweitigen Repressalien entgegengetreten darf und muss.

In einem solchen Klima, in dem das persönliche Befinden von der politischen Ansicht abhängig gemacht wird, bleibt die sachliche Auseinandersetzung auf der Strecke. Es kommt zwangsläufig zu einer Verhärtung der Fronten und selbst offensichtlich zutreffende Argumente werden ausgeblendet. Es ist schwer, aus dieser Spirale wieder auszubrechen.

»Alternative Meinungen werden als Hass, Hetze und Intoleranz geframet. Dabei bleibt die sachliche Auseinandersetzung auf der Strecke.«

FlinkFeed: In manchen Szenen war Security zu sehen. Hast du auch Angriffe oder Ablehnung erlebt?

Feroz Khan: Ablehnung sicherlich, auch Beleidigungen waren dabei. Aber zum Glück bisher keine tätlichen Angriffe. Eventuell lag das am Sicherheitspersonal, aber sicher weiß ich das nicht.

FlinkFeed:
Du selbst bist in Deutschland aufgewachsen, deine Eltern stammen aus Pakistan. Glaubst du, dass dein Migrationshintergrund dazu beigetragen hat, dass sachlich mit dir diskutiert wurde?

Feroz Khan: Hundertprozentig. Es irritiert die Menschen und macht sie neugierig. Viele denken sich eventuell, dass sei nur einer, der sich politisch verlaufen hat. Auf die Idee, dass man unabhängig von seiner Herkunft sehr wohl eine abweichende Sicht auf die Dinge haben kann, darauf kommt nur ein Bruchteil.

Genau der Bruchteil, der sich auch zu einem Stefan oder Thomas an den Tisch setzen würde, um zivilisiert zu diskutieren. Ich finde dieses Zeugnis für Deutschland sehr bedauerlich.

Feroz Khan

FlinkFeed: Was war dein skurrilstes Erlebnis?

Feroz Khan: Ein weißer Mann, der mir beim Gesprächseinstieg direkt Faschismus unterstellte, keine brauchbaren Argumente vorzuweisen hatte, mit Klage bei Veröffentlichung gedroht hat, mir Rassismus und gleichzeitig Anbiederung an die westliche Mehrheitsgesellschaft vorgeworfen hat und einen neurotisch ausgeprägten Schuldkomplex vorzuweisen hatte. Da hatten wir wirklich ordentlich was zu lachen.

FlinkFeed: Wird es weitere Formate von Change my Mind geben? Was hast du sonst noch geplant?

Feroz Khan: Ja, es werden definitiv weitere Folgen kommen, z. B. zu den Themen Islam und AfD. Wahrscheinlich aber erst in 2021. Ihr dürft gespannt sein!