Der Vorwurf ist nicht neu: Alltagssprache sei „fettphobisch“! Jetzt wurden an einer Uni konkrete Auflagen erlassen.

Sporttrainer müssen Antidiskriminierungskurse machen

Die Universität von Bristol, England, hat bekanntgegeben, dass Sporttrainer und studentische Übungsleiter zukünftig verpflichtende Sensibilisierungskurse durchlaufen müssen. Dadurch soll verhindert werden, dass „fettphobische“ Bemerkungen geäußert und übergewichtige Menschen gekränkt werden.

Universität Bristol – Gemeinfrei

Angestoßen wurde die neue Auflage von Bristols Student Council, etwa vergleichbar mit deutschen Studentenparlamenten. An den Tagungen kann jeder Student teilnehmen, wählen können allerdings nur erlesene „Studentenführer“.

Selbstzensur gegen Fat-Shaming

„Änderung unserer Sprache, um uns Körper-Positivität zu eigen zu machen“: So lautete der Tagesordnungspunkt auf einer der jüngsten Council-Sitzungen. Er zielte darauf ab, „Angestellte und Studenten der Universität Bristol über das aus einer fettphobischen Sprache resultierende Leid aufzuklären“.

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Außerdem sollte der Universität eine enge Zusammenarbeit mit Beat This Together auferlegt werden. Diese Organisation verschreibt sich laut Selbstauskunft der Aufklärung über „Essstörungen, Gewichtsstigmatisierung und Body-Shaming“.

Kalorien verbrennen? Fettphobisch!

Der Antrag fand eine Mehrheit. Angeprangert wurden Sporttrainer-Sprücher wie „Arbeite die Pizza von gestern Abend ab!“, „Lass uns deine Taille schlank machen!“ oder „Verbrenn‘ diese Kalorien!“.

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All diese Formulierungen bezeichnen Council und Universität als „fettphobisch“ und Ausdruck eines „Dünnen-Privilegs“. Außerdem wären sie Ausdruck einer „tückischen Diätkultur“ und deren „toxischer Ideale“, dass Dünnsein gesund und Sport der einzige Ausweg aus dem Übergewicht sei.

Krankenkassen sind im Zwiespalt

Der emeritierte Soziologie-Professor der Universität Kent, Frank Furedi, kritisierte die Entscheidung: „Die Sprachkontrolle an Campus hat eine hemmungslose Dynamik entwickelt. Bald wird sogar das Wort ‚athletisch‘ gebrandmarkt, weil es unsportliche Studenten triggert“.

Gut möglich. Ende August haben britische Akademiker vorgeschlagen, dass Krankenkassenangestellte übergewichtige Personen selbst entscheiden lassen sollen, „welches Wort gebraucht werden soll, um von Übergewicht zu sprechen“. Fett, der korrekte medizinische Ausdruck, soll vermieden werden.