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Wer sich über die Schere zwischen arm und reich empören will, muss über Erbschaften reden. Die Lösung für Linkstwitter liegt nahe: Enteignung und Umverteilung.

Umfrage offenbart Abgründe

Laut neuesten Schätzungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) werden in Deutschland pro Jahr Werte in Höhe von 400 Milliarden Euro vererbt. Das bringt den ehemaligen Freitag-Journalisten Andreas Kemper auf eine Idee: das „Sozialerbe“.

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Er erklärt: Dabei werden alle Erbschaften „in einen Topf geworfen“ und zu gleichen Teilen an die Bevölkerung ausgezahlt. Aus dem „Erbschaftstopf“ würde jeder Deutsche in seinem Leben rund 400.000 Euro erhalten, wie Kemper auf Twitter vorrechnet.

In seiner linken Filterbubble scheinen einige die Idee gut zu finden. 66 Prozent der 2.622 Befragten sprachen sich in der von Kemper gestarteten Umfrage dafür aus. Nur 26 Prozent bevorzugen die „Privaterbschaft“. 7 Prozent wählen „anderes, siehe Kommentar“.

Enteignung oder Arschloch

Soll der Staat einem die Früchte seiner Arbeit nach dem Tod wegnehmen dürfen? Zum Wohle der „Gesellschaft“? In den Kommentaren bekommt der Erbschafts-Maoist auch Gegenwind:

„Wenn Sozialerbe eingeführt wird, gibt es keine 400k mehr für jeden.“ Warum nicht? Weil diejenigen, die etwas zu vererben haben, dann lieber tricksen oder die Kohle „noch vor dem Tod“ versaufen, meint einer. Wenn er „400k zu vererben hätte“, würde er das „auch lieber [s]einer Familie als „der Gesellschaft“ vererben wollen. Und entsprechend alle Lücken nutzen, die es gibt.“


Kemper kann die Kritik nicht verstehen: „Sie meinen, die Reichen sind durchgehend Arschlöcher?“ Wir lernen: In der Welt dieses Soziologen ist es offenbar in Ordnung, Menschen zu beschimpfen, die sich nicht ausrauben lassen wollen.

Sozialistische Kontrollfantasien

Doch Kemper findet auch Gleichgesinnte. Einer schreibt: „Bin total dafür, es den Milliardären wegzunehmen, schon um deren undemokratische Macht zu beschränken (…).“ Dass der Vorschlag darauf abzielt, allen Menschen ihr Erbe wegzunehmen, um es dann umzuverteilen, hat er nicht begriffen.

Was aber, wenn jemand dem „Sozialerbe“ entgehen will, zum Beispiel durch die Gründung einer Stiftung, die das Kapital vor dem Zugriff des Staates schützt? Kemper ist optimistisch: „Das lässt sich gesetzlich regeln.“

Antidemokratische Methoden

Kemper war übrigens 2017 Mitinitiator des Projekts „Agent*in“, einem Online-Lexikon des Gunda-Werner-Instituts von der Grünen-nahen Heinrich-Böll-Stiftung. In diesem Projekt arbeitete eine „Gruppe von feministischen Autor*innen“ – zu denen auch Kemper gehörte – an der Erstellung von Feindeslisten.


Katalogisiert werden sollten Medien und Personen, die sich „gegen Feminismus, Gleichstellungspolitik, sexuelle Selbstbestimmung, gleichgeschlechtliche Lebensweisen und Geschlechterforschung“ aussprechen. Kritiker sahen darin einen Internetpranger für politisch schwer Erziehbare.

Mitte August 2017 nimmt die Böll-Stiftung die Seite wieder vom Netz. Auf der Webseite der Böll-Stiftung liest man zum damaligen Skandal: „Wir bedauern sehr, dass durch die gewählte Form manche an antidemokratische Methoden erinnert werden und entschuldigen uns bei denjenigen, die sich möglicherweise persönlich verletzt fühlen.“