Das milliardenschwere Maus-Imperium sieht sich mit massiver Kritik konfrontiert: Grund dafür ist eine Danksagung im Abspann der Realverfilmung von „Mulan“.

Disney bedankt sich bei chinesischen Behörden, die Uiguren deportieren, foltern und sie zu Abtreibungen zwingen

Auf den ersten Blick nichts Besonderes: Disney dreht einen Film in China und bedankt sich im Abspann bei den örtlichen Behörden.

Szene aus dem neuen Disney-Film „Mulan“.
Disney

Bei den Behörden handelt sich jedoch um Körperschaften des chinesischen Staates, denen vorgeworfen wird seit 2015 rund zwei Millionen Uiguren deportiert zu haben. In den chinesischen Umerziehungslagern sollen Zwangssterilisierungen und erzwungene Abreibungen genauso an der Tagesordnung sein wie Folter und sexueller Missbrauch.

Muslimische Ex-Häftlinge erzählen von blankem Horror

Ehemalige Inhaftierte berichten von stundenlanger „Behandlung“ mit kommunistischer Propaganda und gezielten Demütigungen.

Die Uiguren sind eine unterdrückte Minderheit in China.
travelingmipo – via Flickr – CC BY-SA 2.0

Disney will während der Dreharbeiten von Mulan nichts von den massiven Lagerbauten, regelmäßigen Straßensperren und der Präsenz von Militär- und Sicherheitskräften mitbekommen haben. Dabei hatte das Filmteam einer Sondergenehmigung: Weder Journalisten noch Vertreter der Vereinten Nationen dürfen sonst in die chinesische Provinz Xinjiang reisen.

Ein Jahr zuvor: Disney will aufgrund schärferer Abtreibungsgesetze nicht mehr im US-Bundesstaat Georgia filmen

Kritiker weisen jetzt darauf hin, was Disney vor einem Jahr getan hat. Damals nämlich wurde im US-amerikanischen Bundesstaat Georgia die sogenannte „Heartbeat Bill“ eingeführt.

Mit dem Inkrafttreten des schärferen Abtreibungsgesetzes ist es Frauen nicht mehr erlaubt, noch ungeborene Kinder nach der sechsten Woche abzutreiben. Also ab dem Zeitpunkt, an dem das Herz des Fötus üblicherweise zu schlagen beginnt.

Disney erntete in den sozialen Medien massive Kritik.
Screenshot Twitter

Für Disney war die neue Regel inakzeptabel: Im Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters erklärte der Disney-CEO Bob Iger, dass sich eine Zusammenarbeit mit dem US-Bundesstaat Georgia „sehr schwierig“ gestalten könnte.

Auf die Frage hin, ob man Filme wie „Avengers: The Endgame“ und „Black Panther“ weiterhin in Georgia drehen würde, antwortete Iger: „Ich bezweifle, dass wir das tun werden. Wir beobachten die Sache sorgfältig.“

Kritiker werfen Disney Doppelmoral bei Abtreibungen vor

Ob der Disney-CEO die Situation in Xinjiang auch so sorgfältig beobachtet hatte, ist in den Augen von Kritikern unwahrscheinlich.

Und wenn doch, so sei die Entscheidung, dennoch dort zu drehen, umso perverser. Immerhin gibt es glaubhafte Berichte über Zwangsabtreibungen bei schwangeren Uiguren-Frauen.