In der Nacht zum 13. Februar 1945 bombardierte die britische Royal Airforce Dresden. Die Innenstadt wurde in einem Flammenmeer vernichtet. Am 14. und 15. Februar folgten weitere Bombenangriffe. Die Fakten zu dieser schrecklichen Katastrophe sind vielen zu unbequem.

1In Dresden befanden sich hunderttausende Flüchtlinge!

Deutsche fliehen aus dem Sudetenland
Sudetendeutsche Stiftung (CC BY-SA 1.0)

Dresden war eine Lazarettstadt. Im Stadtkern gab es keine kriegswichtige Industrie, keine nennenswerte militärische Besatzung. Dafür war die Stadt vollgestopft mit Flüchtlingen aus den Ostgebieten: Frauen, Kinder, Alte und Kranke. So viele, dass die Behörden es logistisch kaum stemmen konnten – und das bereits bevor die Bomben fielen.

2Kriegswichtige Ziele wurden nicht mal angegriffen!

Eine tote Mutter, über ihre beiden Zwillinge gebeugt
Richard Peter – Deutsche Fotothek (CC BY-SA 3.0 DE)

In Dresdens Außenbereichen lagen militärische Ziele, wie beispielsweise Kasernen. Aber die wurden nicht mal ansatzweise angegriffen. Bomben fielen nur auf die dicht besiedelte, brennbare Innenstadt.

3Das Ziel war die Tötung von möglichst vielen Zivilisten!

Sir Arthur Harris, Oberbefehlshaber der Bomberkommandos der Royal Air Force
Gemeinfrei – via Wikipedia

„Man drängt mich immer, ausschließlich Brandbomben einzusetzen, aber ich bin mit dieser Strategie nicht einverstanden. Die moralische [=psychologische] Wirkung von Sprengbomben ist enorm. Menschen können aus Feuersbrünsten entkommen und die Zahl der Opfer bei einem reinen Brandangriff wäre verschwindend gering. Zusätzlich zu dem Schrecken des Feuers wollen wir Boches [Schimpfwort für Deutsche] umbringen und Boches terrorisieren.

Das teilte Arthur Harris dem britischen Luftfahrtministerium mit. Ihn meinen Linke mit der Parole: „Bomber Harris, do it again!“

4Es wurden international geächtete Brandbomben eingesetzt!

Völlig verbrannte Leichen zerfielen bei Berührung zu Asche.
Richard Peter – Deutsche Fotothek (CC BY-SA 3.0 DE)

Augenzeugen berichten eindeutig, dass Phosphorbomben eingesetzt wurden. Die Briten setzten diese geächteten Brandbomben offiziell nicht ein, aber der Kampfmittelräumdienst ist im Besitz solcher Bombenreste.

Beim Aufschlag verspritzten diese Bomben etwa 40 Meter weit eine klebrige Brennmasse. Wenn sie auf Wänden oder Dächern aufschlugen, regnete es Feuer auf die Menschen in den Straßen.

5In Dresden entwickelte sich ein richtiger Feuersturm!

Städte wie Dresden bestanden größtenteils aus Holz, weshalb Harris über sie sagte, dass sie „mehr einem Feuerzeug glichen, denn als menschliche Behausung gebaut sind“. Deshalb entstand ein Feuersturm mit etwa 2.200 Grad Celsius. Die heiße Luft steigt dabei so schnell nach oben, dass ein Sog entsteht.

Kalte Luft wird von der Seite angesogen und nährt die Flammen. Da es damals besonders kalt war, wurde der Effekt verstärkt. Soldaten, die aus den Außenbezirken in die Innenstadt strömten, um Menschen zu helfen, mussten am Boden kriechen, um nicht in den Sturm hineingerissen zu werden.

Augenzeugen berichten, dass genau das mit Frauen und Kinderwägen geschah. In Berichten der Dresdener Kriminalpolizei steht, dass noch im Mai 1951 (!) Ziegel in geborgenen Kellern so heiß waren, dass man sie „nicht mit Händen“ anfassen konnte. Noch 2002 gruben Archäologen 14 Bombenopfer am Neumarkt aus.

6Die Bergung der Toten war schrecklich und dauerte lange!

Die Scheiterhaufen brannten zwei Wochen lang.
Bundesarchiv, Bild 183-08778-0001 / Hahn / CC-BY-SA 3.0

Weil von den erhitzten und schnell verwesenden Körpern in den Kellern eine Seuchengefahr ausging, mussten die Leichen verbrannt werden. Die Räumarbeiten waren nur mit Alkohol zu ertragen. Nur ein Bruchteil der Leichen konnte identifiziert werden. Gemeinsam mit Trümmerfrauen barg ein 15-Jähriger im Sommer 1945 Leichen:

„Wir schaufelten also mit angehaltenem Atem die menschlichen Reste in die Wannen. Dann schätzten wir etwa ab, wie viele das waren – wie kann man Körperteile, Beine, Köpfe zu Menschen zusammensetzen? – und trugen dann zu zweit eine Wanne zum Trinitatis-Friedhof.“

7Die Bombardierung schockierte die Menschen international!

April 1946: Fast ein Jahr nach Kriegsende und 14 Monate nach dem Bombenagriff sind unzählige Opfer noch nicht geborgen. In diesem Luftschutzkeller unter Rothes Bierstuben wurden 243 Leichen gefunden.
Richard Peter – Deutsche Fotothek (CC BY-SA 3.0 DE)

Der erste internationale Augenzeugenbericht wurde in einer Züricher Tageszeitung abgedruckt. Der Autor war Schweizer, der in Dresden gewohnt hatte. Er berichtete von schätzungsweise „200.000 Toten“ und weist darauf hin, dass auf 650.000 Einwohner eine halbe Million ostdeutsche Flüchtlinge hinzukamen, die zum Zeitpunkt des Angriffs in Dresden waren.

Er hatte es kaum ertragen, „mir dort einen Weg durch die Leichen zu bahnen“ und beschreibt „abgerissene Arme und Beine, verstümmelte Rümpfe, Köpfe, die vom Leib gerissen irgendwohin gerollt waren!“. Ein Freund erzählte ihm von Menschen, die versuchten, sich brennende Stangenbomben „aus dem Leib zu reißen“.

8Die Zerstörung Dresdens schockierte sogar Briten!

Auch wenn die Kriegspropaganda es als heroischen Sieg feierte, sahen das viele Briten anders. Der Unterhaus-Abgeordnete Richard Strokes begann eine kritische Rede und der Luftfahrtminister verließ sogleich den Saal. Strokes sagte, dass die Russen Städte einnehmen konnten, ohne sie zu vernichten.

„Was werden wir vorfinden, wenn alle Städte in Trümmer gelegt sind und Krankheiten grassieren? […] Die Luftangriffe würden für alle Zeiten einen Fleck auf unserem Wappenschild hinterlassen.“ Der Staatssekretär des Ministeriums meinte: „Wir verschwenden unsere Bomben nicht auf reine Terrormaßnahmen!“

Harris‘ Aussage erweckt einen anderen Eindruck (siehe oben). Der britische Premierminister Winston Churchill verfügte nach der Auseinandersetzung eine Untersuchung der bisherigen Vorgehensweise.

9Wir werden die wahre Opferzahl nie erfahren!

1956: Denkmal am Dresdener Heidefriedhof
Bundesarchiv, Bild 183-38793-0001 / CC-BY-SA 3.0

Es kursieren Zahlen zwischen 18.000 und 400.000. Das Internationale Rote Kreuz schrieb damals von 275.000. Nazi-Behörden spielten die Zahlen herunter. Der ehemalige Leiter des Innenpolitik-Ressorts der FAZ, Wolfgang Schaarschmidt, erlebte die Dresdener Hölle mit 14 Jahren.

Schaarschmidt untersuchte die unterschiedlichen Quellen, verglich sie miteinander und erwog ihre Glaubwürdigkeit. Er kam zum Schluss, dass 100.000 bis 150.000 Menschen in Dresden starben. Noch heute wird heftig über die Zahl der Opfer gestritten – offizielle Stellen geben nach neuesten Untersuchungen ca. 25.000 an.

10Opferzahlen wurden aktiv verschleiert!

Die Karte zeigt die bombardierten Teile der Stadt.
Wiprecht – via Wikipedia (CC BY-SA 3.0 DE)

Laut dem sowjetischen Botschafter Walentin Michailowitsch Falin machten die Briten Sowjetrussland ein Angebot: Sie verlangten die Dresdener Archivdokumente über die Bombenopfer im Original. Im Gegenzug boten sie den Sowjets erbeutete deutsche Waffensysteme an. Sollte Falins Behauptung stimmen, würde das erklären, warum so wenige deutsche Akten vorliegen.

11Die Erinnerung an die Opfer wird nicht angemessen aufrecht erhalten!

13. Februar 2005: Antifa-Demo zum Jahrestag der Zerstörung Dresdens
Unbekannt – via Wikipedia (CC BY-SA 2.0)

Von 2004 bis 2010 befasste sich eine Historikerkommission mit dem Thema. Entgegen allen Versprechungen hält das Dresdener Stadtarchiv die Unterlagen der Kommission für 30 Jahre unter Verschluss.

Andere Dokumente sind für 60 Jahre gesperrt, obwohl sie vorher zugänglich waren. 2004 begann das Stadtarchiv damit, über 500 Zeitzeugen zu interviewen. Nur noch 64 Interviews sind zugänglich. Der Rest und weitere Zeitzeugenberichte ließ Dresden für die nächsten 80 Jahre sperren.

12Das Massaker wird ständig verharmlost und verherrlicht!

@debbie_anna – via Twitter

Die Verharmlosung begann schon im Dritten Reich. Die Nationalsozialisten wollten bei Bombenangriffen keine allzu hohen Opferzahlen verbreiten, um Kriegsmüdigkeit im Volk zu verhindern. In der Verwaltung wurden „Katastrophenfälle“ deshalb irgendwann in „Großschadensfälle“ umbenannt.

Die Alliierten hatten natürlich auch kein Interesse daran, das wahre Ausmaß der Katastrophe aufzuklären. Sowohl in der DDR als auch in der Bundesrepublik setzte sich das nach dem Krieg fort. Viele Linke sehen Arthur Harris heute als Helden und die in Dresden verbrannten Frauen und Kinder als Nazis, die ihre eigene Medizin bekommen haben.

13Dresden war besonders schrecklich, aber kein Einzelfall!

23. Februar 1945: Die Zerstörung Pforzheims aus der Sicht eines Bombers
Gemeinfrei – via Wikipedia

In den Feuersturmgebieten Hamburgs kamen bis zu einem Drittel der darin befindlichen Bevölkerung um. In Pforzheim war es sogar die Hälfte. Drei Viertel des Würzburger Innenstadt-Wohnraums wurden zerbombt, in Prenzlau waren es fast 100 Prozent. Über 50 deutsche Großstädte waren schweren Bombenangriffen ausgesetzt.

Die Amerikaner begannen übrigens erst gegen Ende des Krieges mit der gezielten Bombardierung von Wohngebieten. Vorher lehnten sie diese Vorgehensweise ab. Dafür übertraf die Atom-Vernichtung von Hiroshima und Nagasaki alles andere. Sogar sowjetische Politiker kritisierten die Bombardierung der Flüchtlingsstadt Dresden.