Fußballfans klagen immer wieder darüber, dass die Vereine sich immer weiter von ihrem Publikum entfernen würde. Stattdessen würde es immer kommerzieller und globaler zugehen.

Doch nicht in allen Fußballvereinen ist das so: Überall in Deutschland gehören echte Traditionsvereine noch zu Alltag und Lokalkultur.

Sie mögen inzwischen zwar größtenteils aus dem Profibereich verschwunden sein – die Liebe ihrer Fans bleibt aber ungebrochen.

1Rot-Weiss Essen (gegründet am 1. Februar 1907 als SV Vogelheim)

Joost Evers / Anefo – Wikimedia Commons

Essen gehörte in den 1950er Jahren zu den gefährlichsten und besten Fußballvereinen Deutschlands.

Mit ihrem Malocher-Fußball erarbeiteten sie sich 1953 den DFB-Pokal und zwei Jahre später die deutsche Meisterschaft.

Als erster Verein aus der Bundesrepublik spielten sie 1955 im Europapokal der Landesmeister.

1994 verabschiedete sich Rot-Weiss Essen aus dem Profifußball und ging beinahe insolvent. Heute spielen sie in der viertklassigen Regionalliga West.

2Dynamo Dresden  (gegründet am 12. April 1953 als Sportgemeinschaft Dynamo Dresden)

Ulrich Häßler – Wikimedia Commons

Für viele gilt der Klub heute neben Union Berlin und Hansa Rostock als einer der wenigen echten, ostdeutschen Fußballvereine im Profifußball.

In der DDR war der Verein unangefochtener Spitzenreiter – und mit 98 Spielen im Europapokal auch der international bekannteste DDR-Klub.

Auch wenn Dynamo Dresden heute in der 3. Liga spielt, gehört der Verein mit rund 23.000 Mitgliedern zu den 30 größten Sportklubs in Deutschland – so wie für viele Dresdener Familien das Dynamo-Spiel einfach zum Wochenende dazugehört.

3VfB Leipzig  (gegründet am 11. November 1893 als Sportbrüder Leipzig)

O. Gerlach – Wikimedia Commons

Drei deutsche Meisterschaften und einmal DFB Pokal-Sieger – das ist die Bilanz vom VfB Leipzig.

Die allermeisten Fußballfans werden die Leipziger heute vergessen haben, doch vor dem 1. Weltkrieg waren sie noch einer der besten Vereinen Deutschlands.

Zudem holte sich der VfB Leipzig die erste deutsche Fußballmeisterschaft im Jahr 1903: Souverän besiegten die Leipziger den DFC Prag im Finale mit einem 7:2.

Nach dem 2. Weltkrieg von den Sowjets aufgelöst, konnte der Verein nie wirklich wieder Fuß fassen. Als sein Erbe gilt der 1. FC Lokomotive Leipzig, der aktuell in der Regionalliga um den Aufstieg kämpft.

41. FC Saarbrücken  (gegründet am 18. April 1903 als TV 1876 Malstatt)

 

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Fußballromantiker kennen den größten Verein des Saarlands und das Karrieresprungbrett des WM-Helden Andi Brehme.

Einst einer der gefürchtetsten Vereine Deutschlands und Gründungsmitglied der Bundesliga, hat der 1.FCS aber noch eine ganz besondere Vergangenheit: Die Saarbrückener waren die erste deutsche Mannschaft, die international spielte.

Weil sie sich für die „Ehrenliga“ des Saarlandes zu stark fühlten und es damals noch keine deutschlandweite Bundesliga gab, bewarben sie sich nämlich beim Französischen Fußballverband.

Dort durften sie zwar in der dortigen zweiten Liga mitspielen, aber trotz des inoffiziellen ersten Tabellenplatzes nicht aufsteigen – ihre Spiele wurden nicht gewertet.

In den 1980er Jahren verschwand der 1. FC Saarbrücken dann jedoch in der Belanglosigkeit. Heute spielt der Verein in der 3. Liga.

5Tasmania Berlin  (gegründet am 2. Juni 1900 als Tasmania Berlin 1900)

 

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Den meisten Fußballfans ist die Tasmania spätestens seit der Sieglos-Serie des FC Schalke 04 wieder ein Begriff – schließlich ist sie für ihren Negativrekord von 28 Niederlagen in einer Saison bekannt geworden.

Damals hatte Hertha BSC aufgrund von Korruptionsfällen keine Bundesliga-Lizenz bekommen – und so musste Tasmania als Ersatz nachrücken und innerhalb weniger Tage einen Bundesliga-Kader aus Amateur-Spielern zusammenstellen.

Jedoch gab es auch für die Tasmania einst bessere Zeiten: Die Neuköllner wurden 7 Mal Berliner Pokalsieger und konnten sechs Teilnahmen an den Endrunden um die Meisterschaft vorweisen.

Nach dem Bankrott im Jahr 1973 löste sich der Verein auf, doch noch im selben Jahr wurde der gleichnamige Nachfolger gegründet, der heute in der Oberliga Nord spielt.