Die Staatssicherheit, der DDR-Inlandsgeheimdienst, vernichtete unzählige Spitzel-Akten, um Spuren zu verwischen. Dennoch sind viele noch erhalten und manche Akten konnten auch rekonstruiert werden. Einige Ex-Spitzel befinden sich bis heute in Amt und Würden!

1Lothar de Maizière

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Den meisten ist nur Thomas de Maizière (CDU) bekannt – unter anderem als Bundesinnenminister von zwischen 2013 und 2018. Interessanter ist aber sein Cousin Lothar (CDU). Der war der letzte DDR-Ministerpräsident und nach der Wende zeitweise Bundesminister für besondere Aufgaben.

Als Vorwürfe laut wurden, er sei Stasi-Spitzel mit Decknamen „Czerni“ gewesen, bat er um Entlassung. Trotzdem stritt er die Vorwürfe ab und blieb stellvertretender CDU-Vorsitzender. Wolfgang Schäuble – damals CDU-Fraktionsvorsitzender und heute Bundestagspräsident (Stand: 2020) – versuchte 1991, ihn zu entlasten.

1992 wurde Lothar de Maizière dann eindeutig als Stasi-Spitzel Czerni identifiziert. Bis heute ist er Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft, die er mitgründete. Ironischerweise wurde diese „mit dem Ziel gegründet, die Teilung Deutschlands zu überwinden, das Miteinander in Deutschland und Europa zu fördern sowie Vorurteile abzubauen“.

2Anetta Kahane

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Als Vorsitzende der linken Amadeu Antonio Stiftung engagiert sich Kahane im „Kampf gegen Rechts“. Lange Zeit verschwieg sie ihre Tätigkeit als Stasi-Spitzel (Deckname: Victoria), bis ihre Vergangenheit 2002 ans Licht kam. „Das ist nichts, was ich mir vorwerfen muss“, sagte sie dazu. Als Belohnung erhielt sie Geld, Schnaps, Zigaretten, Kaffee, Kuchen und einen goldenen Füllfederhalter.

Sie beauftragte den Politikwissenschaftler Müller-Enbergs damit, festzustellen, ob sie mit ihrer Spitzelei jemandem geschadet habe. Dessen wohlwollendes Urteil kritisiert aber der Stasi-Experte Hubertus Knabe, weil Kahane als ehemaliger Spitzel nur beschränkte Akteneinsicht hat und keine weiteren Dokumente herangezogen wurden.

Knabe weist darauf hin, dass Kahane sogar handschriftliche Berichte über Jugendfreunde abgab. Kritiker sehen in Kahanes heutiger Tätigkeit Parallelen zu ihrer früheren Arbeit bei der Stasi.

3Gregor Gysi

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Gysi versuchte noch 1989, das Fortbestehen der Stasi zu retten. Schon vor der Wende verpfiff er sowohl BRD- als auch DDR-Bürger.

Besonders schlimm: Als Rechtsanwalt vertrat er Regimekritiker, um dann unter den Informanten-Namen „Gregor“ und „Notar“ aus vertraulichen Gesprächen an die Stasi zu berichten.

Er verriet seine eigenen Mandanten und arbeitete teilweise eng mit der Stasi zusammen. Von der Stasi und sogar vom DDR-Staatsoberhaupt Erich Honecker persönlich bekam Gysi Aufträge, Mandanten zu manipulieren. Zum Beispiel einen klagenden Vater, dessen Sohn von einem betrunkenen Stasi-Mann erschossen wurde.

Sowohl die Bundesbehörde für die Stasi-Unterlagen als auch der Erste Ausschuss des Bundestags stellte Gysis Spitzelei als erwiesen fest. Trotzdem streitet er sie bis heute ab.