Liebesratgeber gab’s schon immer. Im alten Rom war die „Ars Amatoria“ von Ovid das Nonplusultra. Warum das heute für dich interessant ist? Zwei Gründe: Erstens sind viele Tipps wirklich zeitlos gültig und zweitens – noch besser – sind sie völlig frei von politischer Korrektheit. Sie sind schonungslos ehrlich.

1Denk‘ daran, dass Schönheit vergänglich ist!

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Ovid spricht Klartext mit den jungen Römerinnen: „Es wird die Zeit kommen, wo du, die du jetzt die Liebenden aussperrst, kalt als Greisin auf verlassenem Nachtlager daliegen musst.“

Und dann kommt Age-Shaming: „Weh mir, wie schnell wird der Körper schlaff und faltig, und die Farbe vergeht, die auf dem blühenden Gesicht war!“

2Pflege deinen Körper!

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Bei Ovid ist nix mit Body-Positivity: „Schönheit ist eine Gottesgabe, doch wie wenige können sich rühmen, schön zu sein! Ein großer Teil von euch hat diese Gabe nicht. Pflege wird euch ein schönes Gesicht geben; ein vernachlässigtes Gesicht wird zugrunde gehen.“

Oh, und Feministinnen werden das hier besonders lieben: „Beinahe hätte ich euch noch ermahnt: Lasst den Geruch des trotzigen Bockes nicht unter die Achselhöhlen kommen und die Beine nicht von borstigen Härchen rau sein. Aber ich belehre ja keine Mädchen vom kaukasischen Felsen oder solche, die Wasser vom mysischen Caïcus trinken.“ Mansplaining at it‘s best!

3Lass den Schmuck weg und lass dir dafür lieber eine schöne Frisur schneiden!

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Alle, die „das nur für sich selbst machen“, besser mal kurz weghören, wenn Ovid empfiehlt:

„Beschwert auch ihr nicht eure Ohren mit teuren Steinen, die der fahle Inder im grünlichen Wasser sammelt, und geht nicht mit golddurchwirkten Kleidern belastet an die Öffentlichkeit; mit dem Prunk, der uns anlocken soll, verjagt ihr uns oft.“

Stattdessen empfiehlt Ovid Schlichtheit und gekämmte Haare.

4Schminke dich nicht zu sehr, denn …

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Wer mich in Jogginghose nicht liebt, hat mich gestylet nicht verdient? Sieht Ovid anders:

„Nur eine Kunst, die sich zu verbergen weiß, hilft der Schönheit auf. Wen stößt nicht Hefe ab, die auf dem ganzen Gesicht verschmiert ist, wenn die Schwerkraft sie in den warmen Busen hinabrieseln lässt?“

Auch rät Ovid, sich nicht vor dem Liebhaber zu schminken oder die Zähne zu putzen – das würde zwar die Schönheit fördern, aber hässlich aussehen.

5Gleiche deine körperlichen Mängel aus!

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Bereit für Hardcore-Bodyshaming der Antike? Ovid hat für jeden Makel die passende Lösung parat:

„Selten ist freilich ein Gesicht fehlerlos: Verbirg also die Fehler und verstecke, soweit du es kannst, deinen körperlichen Mangel.

Eine, die allzu mager ist, trage dichtgewebte Stoffe, und der Mantel falle ihr weit von den Schultern herab.

Die Bleiche trage Gewänder mit purpurnen Längsstreifen.

Bist du zu dunkel, so nimm deine Zuflucht zu dem pharischen Fisch [aufhellende Schminke aus Krokodil].

Ein hässlicher Fuß werde stets in feinem schneeweißen Leder verborgen, dürre Schenkel befreie nie von ihren Binden.

Zu hohen Schultern passen flache Schnallen.

Um eine zu schmächtige Brust schlinge sich eine Binde.

Nur mit sparsamen Gesten untermale diejenige ihre Reden, die dicke Finger und spröde Nägel hat.

Eine, die einen lästigen Mundgeruch hat, rede niemals, solange sie noch nichts gegessen hat, und halte immer Abstand zum Munde des Mannes.

Hast du schwarze oder zu große oder schief gewachsene Zähne, so wirst du durch Lachen den größten Schaden davontragen.“

6Lerne nicht nur schön auszusehen, sondern dich auch schön zu verhalten!

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Vor allem mochte Ovid kein schallendes Gelächter und empfahl seinen Leserinnen: „Sie mögen nicht durch pausenloses Lachen das Zwerchfell anspannen, sondern es soll irgendwie leicht und weiblich klingen.“

7Singe, Tanze und lese Gedichte vor!

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„Gesang ist etwas Einschmeichelndes; Mädchen sollen singen“, meint Ovid. Und wenn man das nicht kann? Dann soll man wenigstens Tanzen lernen. Ok.

8Vorsichtig mit den Schönlingen!

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Ovid war ein alter weißer Mann, der sich an traditionellen Geschlechterrollen klammerte:

„Aber meidet Männer, die offen erkennen lassen, dass sie sich pflegen, auf Schönheit bedacht sind und sich das Haar kunstvoll zurechtlegen. Was sie euch sagen, das haben sie schon tausend Mädchen gesagt.

Was soll eine Frau tun, wenn der Mann vielleicht eine glattere Haut hat als sie selbst und imstande ist, mehr Männer zu haben als sie?“

9Sei nicht zu leichtgläubig!

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„Machen sie tüchtig Versprechungen, so versprecht ihnen ebenso viel; erst wenn sie etwas gegeben haben, gebt auch ihr ihnen die vereinbarten Freuden.“ Moderne Übersetzung: Lass dich nicht verarschen.

10Spiele Katz und Maus!

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„Was man mühelos bekommt, ist eine schlechte Nahrung für lange Liebe. Man muss unter die frohen Liebesspiele ab und zu eine Zurückweisung einstreuen. Lass ihn vor deiner Türe liegen, ‚O grausame Pforte‘ klagen und viele demütige, viele drohende Reden halten. Liebliches Los ertragen wir nicht.“

Wenn das mal nicht Empowerment ist!

11Lass‘ deinen Liebhaber um dich kämpfen!

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Ovid rät, es Männern schwer zu machen: „Lass ihn spüren, dass er einen Nebenbuhler hat und dass er deine Liebesgunst mit einem anderen teilen muss. Lässt du diese Kniffe weg, so welkt die Liebe dahin. Nachdem die Schranken entriegelt sind, rennt das mutige Pferd erst dann gut, wenn es Konkurrenten hat, die es überholen oder denen es nacheilen kann.“

12Lass‘ dich nicht von deiner Eifersucht kontrollieren!

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Hierzu erzählt Ovid in epischer Breite eine Geschichte, die eigentlich schnell erzählt ist: Eine eifersüchtige Frau spionierte ihrem Mann hinterher. Der dachte, er würde von einem Räuber überfallen und tötete dann seine Frau aus Versehen mit dem Speer.

13Zeige Tischmanieren!

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Nochmal Fatshaming: „Iss etwas weniger, als du essen kannst. Sähe Priamus’ Sohn Helena gierig essen, würde er voll Abscheu sagen: ‚Es war eine Dummheit, sie zu rauben.’“

14Übertreib‘ es nicht mit dem Alkohol!

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Ovids Kenn-dein-Limit-Faustregel: „Du sollst auch nicht Einfaches doppelt sehen! Abstoßend ist eine Frau, die von reichlichem Weingenuss triefend daliegt.“

15Sei eine gute Liebhaberin und wenn du’s nicht bist: täusche Orgasmen gut vor!

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Besonders empfiehlt Ovid sich beim Lieben so hinzulegen, dass der Körper vorteilhaft erscheint – und im Notfall auch lieber das Licht auszulassen.

Und selbst zum Thema „Orgasmus vortäuschen“ hat Ovid einen Tipp: „Nimm dich nur in Acht, wenn du vortäuschest, dich nicht zu verraten. Mach es durch Bewegungen und Blicke glaubwürdig.“