Die Europäische Union hat einfach für alles eine Regel. Glaubst du nicht? Dann schau dir diese völlig abstrusen Vorschriften an:

1Pizzateigrand

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„Mamma mia“, EU-Verordnung Nr. 97/2010 vom 4. Februar 2010 schreibt Italienern vor, was eine echte Pizza ist. Demnach ist eine Pizza Neapolitana eine „kreisförmige Backware mit variablem Durchmesser von höchstens 35 cm mit erhabenem Teigrand (cornicione) und mit Belag bedecktem Inneren. Das Innere ist 0,4 cm dick, wobei eine Toleranz von ± 10 % zulässig ist, der Teigrand ist 1-2 cm dick.“ Buon Appetito!

2Konforme Kondome

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Verhüten nach Norm: Seit 1993 ist das Kondom als „medizinische Vorrichtung“ mit klar bestimmter Größenordnung eingestuft. Fünf Liter Flüssigkeit muss ein Gummi fassen können und mindestens 16 Zentimeter lang muss es sein. Bis jetzt hat übrigens noch kein Mitgliedsstaat moniert, dass das zu lang sei.

3Seilbahn-Richtlinie fürs Flachland

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Im Jahr 2000 legte Brüssel Sicherheitsstandards für Seilbahnen fest. Okay, aber warum mussten auch die Länder Berlin und Mecklenburg-Vorpommern entsprechende Gesetze erlassen, obwohl es da mangels Gebirge dort nur eine einzige Seilbahn gibt?

4Sortierung von Rohholz

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Bis 2007 regelte Brüssel sogar die Größe von Astlöchern. Richtlinie 68/89/EWG des Rates vom 23. Januar 1968 zur Angleichung der Rechtsvorschriften der Mitgliedstaaten für die Sortierung von Rohholz besagte: „Die Abholzigkeit wird in Zentimetern mit einer Dezimalstelle pro Meter ausgedrückt.“ Alles klar?

5Zusammensetzung von Marmelade

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„Marmelade“ oder „Konfitüre“? Oder „Konfitüre Extra“, „Gelee“, „Gelee Extra“ oder „Gelee-Marmelade“? Die EU-Richtlinie 2001/113/EG sagt dir, was du auf dem Brötchen hast.

So gilt als „Konfitüre“ nur „die auf die geeignete gelierte Konsistenz gebrachte Mischung von Zuckerarten, Pülpe und/oder Fruchtmark einer oder mehrerer Fruchtsorte(n) und Wasser“! Aha.

6Krümmungsgrad von Gurken

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Die EU bestimmt doch nicht wirklich den Krümmungsgrad von Gurken, oder? Nicht mehr, doch 20 Jahre lang hat sie das wirklich.

Gurken der Handelsklasse „Extra“ durften maximal eine Krümmung von zehn Millimetern auf zehn Zentimetern Länge haben. Ähnliche „Vermarktungs-Normen“ gab es für so ziemlich jede Gemüse- und Obstsorte. 2009 wurden die Vorgaben abgeschafft – um ein Symbol für Bürokratieabbau zu setzen.

7Durchmesser von Äpfeln

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Bis heute normt die EU noch immer Äpfel, Birnen, Zitrusfrüchte, Kiwis, Erdbeeren, Pfirsiche, Nektarinen, Weintrauben, Salatköpfe, Paprika und Tomaten.

Damit Äpfel im Supermarkt verkauft werden dürfen, müssen sie mindestens 90 Gramm wiegen oder einen Durchmesser von 60 Millimetern haben. Auch die Färbung ist genormt. Ein Apfel einer grünen Art mit etwas zu viel Gelbanteil fliegt aus dem Regal.

8Warnhinweis für Luftballons

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Nach einer Richtlinie für die Sicherheit von Spielzeug müssen Latex-Ballons die Warnung tragen, dass unter achtjährige Kinder nicht-aufgeblasene oder kaputte Ballons verschlucken und daran ersticken können.

9Traktorsitz-Verordnung

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Bis ins Jahr 2012 waren auch Traktorensitze normiert – angeblich auf Wunsch des Landes Bayern, nachdem dort ein Bauer von seinem Sitz gefallen sei. Da die Hersteller inzwischen den Anforderungen der EU entsprechen, hat man die Vorschrift wieder abgeschafft.

10Staubsauger-Power

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Eine eigene EU-Verordnung reguliert seit 2014 nicht nur, ob Staubsauger energieeffizient sind, sondern auch, ob genug Staub aufgenommen wird. Auf harten Böden muss das Gerät 95 und auf Teppichen mindestens 70 Prozent der Staubmenge schaffen.

11Datenschutzgrundverordnung

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Das Paradebeispiel für Bürokratie-Auswüchse. Weil keiner so genau weiß, was die DSGVO erlaubt und was nicht, strich die Stadt Roth bei Nürnberg 2018 kurzerhand den beliebten Brauch, Kinder-Wunschzettel an den öffentlichen Weihnachtsbaum zu hängen – da standen ja die Namen drauf. Sogar die Rechtmäßigkeit von Klingelschildern wurde diskutiert.

12Elektrische Leitfähigkeit von Honig

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Die Richtlinie 2001/110/EG von 2001 legt fest, welche Merkmale Honig aufweisen muss, wenn er als Lebensmittel verkauft werden soll. Dabei spielt auch die elektrische Leitfähigkeit eine Rolle.

13Brot-Verordnung

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Eine Verordnung über nährwert- und gesundheitsbezogene Angaben über Lebensmittel schreibt seit 2006 vor, was ein Brot sei. Ist etwa der Salzgehalt pro Teigmenge zu hoch, isst Du tatsächlich nur eine Teigware aus derselben Kategorie wie Chips oder Coca-Cola!

Deutsches Brot enthält im Durchschnitt übrigens 1,8 bis 2,2 Gramm Salz pro 100 Gramm Mehlanteil – zu viel für die Technokraten, die einen Richtwert von nur 1,2 bis 1,3 Gramm empfehlen. Ausgerechnet Brotweltmeister Deutschland macht’s also angeblich verkehrt.

14Schnullerketten-Verordnung

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Seit 2008 macht die Europäische Union Herstellern von Schnullerketten mit einer 52-seitigen Verordnung das Leben schwer. Eine Kostprobe:

„Wenn eine Schnur (ausgenommen eine Befestigung formende Schnur) vor oder während den in 6.1.4.1. und 6.1.4.2. beschriebenen Prüfungen der Breite des Bandes so exponiert wird, dass es nicht mehr bedeckt ist, muss bei der Prüfung nach 6.1.4.4. die größte Gesamtlänge der freien Schnur (einschließlich aller zur Anbringung eines Ergänzungsteils benutzten Schnüre) 15 mm betragen.“

Im Vorwort der Verordnung vermerken die EU-Bürokraten übrigens: „Die Anzahl der Unfälle, die durch Schnuller verursacht werden, ist gering und Unfälle, die einen tödlichen Ausgang haben, sind so gut wie nicht bekannt.“ Kein Grund, nicht trotzdem etwas zu verordnen!