Denkt man an berühmte Bandenbosse, fallen einem sofort Al Capone oder Pablo Escobar ein.

Aber auch Deutschland hatte seine ganz eigenen Unterwelt-Legenden und verbrecherischen Anti-Helden, bevor Familien-Clans das Geschäft übernahmen.

1Werner Gladow und die Weiße-Krawatten-Bande

Bundesarchiv

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs fing der 16-jährige Fleischersohn als Schwarzhändler auf dem Berliner Alexanderplatz an. Gemeinsam mit dem späteren Box-Profi Werner Papke ging er dann auch auf erste Raubzüge – bald darauf hatte er seine eigene Bande.

Inspiriert von Krimi-Romanen und Gangsterfilmen träumte er von Ruhm und Reichtum und lieferte sich wilde Verfolgungsjagden mit der Volkspolizei der DDR.

Anfangs sorgte seine geschickte Vorgehensweise für Sympathie in der Bevölkerung. Doch nachdem es Tote gab, schlug die Stimmung um und man konnte Gladow nach einem letzten Pistolen-Gefecht, bei dem ihm seine Mutter half, verhaften. Er bekam als einer der ersten DDR-Bürger die Todesstrafe.

2Schäfers Nas aus dem Kölner »Miljö«

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In den 60er-Jahren galt Köln als „Chicago am Rhein“. Vor allem mit dem Rotlicht- und Casino-Milieu hatte die Kölner Polizei viel zu kämpfen. Mittendrin: Heinrich Schäfer, 1,95 Meter groß und 140 Kilo schwer, wegen seiner großen Nase als „Schäfers Nas“ bezeichnet.

In einer gewonnenen Prügelei mit seinem Rivalen, dem Ex-Boxer Anton „Dummse Tünn“ Dumm, sicherte er sich die Rolle als König der Kölner Unterwelt.

Doch der von seiner Witwe liebevoll als „Drecksack“ bezeichnete Schwerkriminelle hatte auch gute Seiten: So half er durch seine Kontakte zur Unterwelt, ein gestohlenes Kreuz aus der Domschatzkammer zurückzuholen – den Finderlohn lehnte er dankend ab.

Schäfers Nas starb 1997 im Alter von 60 Jahren an Herzversagen.

3Muskel-Adolf und die Berliner Ringvereine

Polizeihistorische Sammlung

Anfang des 20. Jahrhunderts kontrollierten Verbrecher-Vereine die Berliner Unterwelt. Angefangen hatten sie als Wiedereinstiegshilfe für entlassene Kriminelle, schnell aber beteiligten sie sich selbst wieder an kriminellen Geschäften. Der Berüchtigtste unter ihnen: Adolf Leib, genannt Muskel-Adolf.

Als Vorsitzender des RingvereinsGeselligkeits-Clubs Immertreu 1919 e. V.“ herrschte er über Diebe, Drogenhändler, Zuhälter und andere Verbrecher – Mörder und Sexualstraftäter wurden ausgeschlossen.

Muskel-Adolfs liebste Kneipe war die Mulackritze, in der sich Sängerin Marlene Dietrich ebenfalls gerne blicken ließ. Auch hatte er den Regisseur Fritz Lang, bei einem der ersten deutschen Tonfilme, „M“, aus dem Jahr 1931, beraten, damit dieser die Ringvereine gut darstellt.

Muskel-Adolf wurde etwa 1934 von der Gestapo geschnappt und später wahrscheinlich in einem Konzentrationslager ermordet.

4Julius Adolf Petersen aka »Der Lord von Barmbeck«

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Der Einbrecher-König Hamburgs hatte Stil: Das Haus verließ er nur gut gekleidet und mit seinem schwarzen Hut. Dabei hatte Petersen es schon früh faustdick hinter den Ohren – bei seiner ersten Gefängnisstrafe war er gerade 13 Jahre alt.

Bis zu 200 Mann stark soll seine Einbrecherbande gewesen sein, die sich selbst „Petersen-Konzern“ nannte und aus der Kneipe des Lords, der „Kaschemme“, heraus operierte. Seine „Mitarbeiter“ hatten Namen wie „Rabenmax“ oder„Schlachterkarl“.

Obwohl er sich selbst als Jünger des Teufels bezeichnete und in 200 Delikten gegen ihn ermittelt wurde, war er auch als Wohltäter bekannt. So soll Petersen eines Tages fünf Arbeiterkinder aus Barmbeck in einem Kaufhaus neu eingekleidet und sie mit einem Gruß vom „Lord von Barmbeck“ heimgeschickt haben.

Die Hamburger Polizei hatte 20 Meter Akten über Petersen. 1920 wurde er geschnappt. Nach mehreren Jahren Haft erhängte er sich im Gefängnis.