Ein marokkanischstämmiger Journalist kündigte auf Twitter an, Menschen mit Migrationshintergrund wie er würden „bald übernehmen“.

Buchstäblich Stunden nach den Ausschreitungen durch „die Eventszene“ in Stuttgart sollte man diese Aussage eigentlich nicht leichtfertig abtun – doch CDU-Spitzenpolitiker Bodo Löttgen aus NRW sah das anders.

»Wir übernehmen bald.«

„Sie haben einfach Angst, dass wir bald übernehmen (was wiederum stimmt).“ Das schrieb Mohamed Amjahid, ein Journalist marokkanischer Herkunft, kurz nach den Plünderungen in Stuttgart auf Twitter.

@mamjahid – via Twitter

Kontext: die Ankündigung Horst Seehofers, gegen die taz-Kolumnistin Hengameh Yaghoobifarah Strafanzeige zu erstatten. Die Deutsch-Iranerin findet, die Polizei solle man abschaffen und alle Polizisten danach auf Mülldeponien entsorgen.

Wie war die »Übernahme« gemeint?

Interpretieren lässt sich Amjahids Aussage eigentlich nur so: „Sie“, die länger hier lebende deutsche Bevölkerung, habe Angst, dass „wir“, also Menschen mit Migrationshintergrund, „bald übernehmen“ – und zwar zu Recht, wie er sagt.

@mamjahid – via Twitter

Das klingt nicht gerade nach dem friedvollen Multikulti-Miteinander, von dem linke Parteien, aber auch die CDU seit Jahren schwärmen. Was werde eigentlich bald übernommen?

Die Macht im Staat? Die Mehrheit im Land? Das führt der 32-jährige nicht aus. So oder so zog der Tweet viele Reaktionen nach sich – darunter auch eine vom Vorsitzenden der CDU-Landtagsfraktion in Nordrhein-Westfalen, Bodo Löttgen.

Alles nur schlecht getimte Ironie?

Löttgen antwortete: „Ironie auf Twitter funktioniert bekanntermaßen eher nicht, sehr geehrter Herr @mamjahid Heute ganz sicher nicht.“

@mamjahid – via Twitter

Das Gerede von der „Übernahme“ war also nur schlechter Humor? So kann man es sich natürlich leicht machen. Doch Löttgen erhielt einen Widerspruch, der es ihn sich hat.

Wenn das dem CDU-Mann die Augen nicht öffnet, was dann?

Amjahid selbst schrieb dem CDU-Politiker zurück, sein Tweet sei „nicht ironisch gemeint“.

Und Löttgen? Der beließ es dabei und antwortete nicht mehr.

Wer ist Mohamed Amjahid?

Vielleicht fehlten Löttgen schlichtweg die Worte. Immerhin ist sein ‚Gesprächspartner‘ weder ein kleinkrimineller Gangster-Rapper, geschweige denn ein IS-Terrorist oder sonst etwas, das man einfach als ein schlechtes Beispiel unter vielen guten abtun könnte.

Bodo Löttgen, Vorsitzender der CDU-Fraktion im NRW-Landtag.
Deutzmann – imago images

Der Mann schreibt immerhin als Politikredakteur für die ZEIT und ist u.a. Empfänger des Deutschen Reporterpreis. Dass Amjahid in seinem Buch Unter Weißen die Mär vom benachteiligten Einwanderer unter bösen „Biodeutschen“ (sein Begriff) zeichnet, erscheint wohl gerade besonders preisverdächtig.

Rosarote Brille zerschmettert

Mit anderen Worten: Amjahid ist die Art Deutscher mit Migrationshintergrund, die Vielfaltspolitiker am liebsten als vermeintlichen Beweis für prima Multi-Kulti vorzeigen.

@mamjahid – via Twitter

Amjahids Tweet, aber auch das Treiben der Stuttgarter „Eventszene“ weisen jedoch darauf hin, dass sich der linksgrüne Traum bald ausgeträumt hat. Wie böse wird das Erwachen?

Mohamed Amjahid wirkt, was diese Frage betrifft, abgeklärt. Als ein Nutzer auf dessen „Übernahme“-Tweet erwidert, „Nur über meine Leiche“, lautet seine Antwort einfach nur: „Ok“.