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Welche Regeln gelten bei Twitter? Und wenn ja, für wen? Solche Fragen stellen sich nach der permanenten Löschung des US-Präsidenten Trump von der Plattform Twitter. Besonders an einem Beispiel erkennt man den Doppelstandard der Plattform…

Das Ende der Geduld

Am 9. Januar hat Twitter beschlossen, dem US-Präsidenten nicht mehr als Sprachrohr zur Verfügung zu stehen.

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Die reklamierten Tweets, die zu dieser Entscheidung geführt haben, waren „bei weitem nicht seine schlimmsten“, meint sogar das US-Magazin Wired.

Trumps letzte Worte

Was hatte Trump geschrieben? Die mittlerweile gelöschten Tweets hier im Wortlaut:

„Die 75,000,000 großen Amerikanischen Patrioten, die für mich, AMERICA FIRST und MAKE AMERICA GREAT AGAIN gestimmt haben, werden noch weit in der Zukunft eine GIGANTISCHE STIMME haben. Sie werden nicht respektlos oder unfair behandelt werden in irgendeiner Art und Weise!!!“

„An alle, die mich gefragt haben, ich werde nicht zur Amtseinführung am 20. Januar gehen.“


Man habe – so Twitter – mit Blick auf die Ereignisse am Capitol in Washington „das Risiko weiterer Anstachelung zur Gewalt“ gesehen und sei dem mit der Löschung des Kontos zuvorgekommen.

Meinungsfreiheit für Radikale

Weitaus großzügiger als bei Trump interpretiert man die Aussagen des amtierenden iranischen Präsidenten Ali Khamenei. Am 3. Juni 2018 liest man auf dem nicht-verifizierten Account @khamenei_ir des Präsidenten mit rund 880.000 Followern:


„Unsere Haltung gegen Israel ist dieselbe Haltung, die wir immer eingenommen haben. #Israel ist ein bösartiges Krebsgeschwür in der Region Westasiens, das entfernt und ausgerottet werden muss: Es ist möglich und es wird geschehen. 7/31/91 #GreatReturnMarch“

Der Beitrag des obersten iranischen Führers ist seit zweieinhalb Jahren online – und trotz deutlich sichtbarer Kontroverse im Kommentarbereich bislang nicht gelöscht. Eine Erklärung des Twitter-Chefs Jack Dorsey gibt es dazu bislang nicht.

Twitter in Erklärungsnot

Nach der Verbannung des US-Präsidenten Trump von der Plattform Anfang Januar ist erneut die Frage laut geworden, ob ein Khamenei die Zensur nicht viel eher verdient hätte und welche Standards tatsächlich im Hause Twitter gelten. Ein Beitrag von Khamenei über „völlig unglaubwürdige“ Impfstoffe gegen Corona wurde Anfang Januar übrigens sofort gelöscht.


„Der Ajatollah kann tweeten, aber Trump nicht. Das sagt eine Menge aus über die Leute, die Twitter leiten“, so der republikanische Senator Lindsey Graham laut Welt Online. Seit Jahren betreibe der Revolutionsführer „ungehindert Hetzpropaganda gegen die USA, Israel und den Westen insgesamt“. Selbst Tweets, die zur „Auslöschung Israels“ aufrufen, sind weiter zugänglich, so Die Welt.