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Krieg gegen den Kommunismus, Drogen oder Terrorismus? Ist doch was für Amateure. Im Jahr 1932 erklärte Australien einfach mal Riesenvögeln den Krieg!

Emu-Herden plündern Veteranen aus

Emus sind bis zu 1,90m große, flugunfähige Vögel mit einer hohen Anpassungsfähigkeit. Sie fressen den ganzen Tag über und können große Fettreserven bilden. Auf Nahrungssuche legen sie weite Strecken zurück und reisen sogar Gewitterfronten hinterher, um täglich trinken zu können.

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Emus sind eigentlich Einzelgänger. Wenn sie aber Herden bilden, können sie für Menschen zu einem echten Problem werden.
Via iStock

Etwa alle 7 Jahre kommt es bei den einzelgängerisch lebenden Tieren zur Herdenbildung von bis zu 100.000 Emus. Im Oktober 1932 zog eine Herde von 20.000 Riesenvögeln in ein westaustralisches Gebiet. Hier war Veteranen des 1. Weltkrieges Farmland gegeben worden, die es urbar und Wasserreserven zugänglich gemacht hatten.

Die Farmer meldeten rasch die plündernden Emus und baten den Verteidigungsminister Sir George Pearce um Hilfe. Dieser sah in der Operation eine gute Übung für das Militär. Vielleicht war er auch so hilfsbereit, weil es in Westaustralien Abspaltungs-Bestrebungen gab, nachdem die Regierung Versprechungen gegenüber den Farmern gebrochen hatte.

Verteidigungsminister erklärt den Emus den Krieg

Sir Pearce entsandte drei Soldaten mit zwei Maschinengewehren und 10.000 Schuss. Im Gegenzug forderte er von den Farmern, die Munition zu bezahlen und eintreffenden Soldaten Nahrung und Unterkunft zu bieten. Am 2. November folgte der erste Kontakt mit rund 50 Emus, von denen lediglich ein Dutzend erledigt wurde. Die waren allerdings klüger als erwartet und teilten sich in kleine Gruppen auf.

Australischer Soldat mit erlegtem Emu.
Gemeinfrei

Am 4. November wurde einer Herde von rund 1.000 Emus ein Hinterhalt gelegt. Nachdem gerade mal ein Dutzend erledigt war, hatte das MG eine Ladehemmung und die Tiere stieben auseinander.

Emu-Kommando erlebt organisierten Widerstand

Schon am vierten Tag der Operation wurde gemeldet, dass sich die Herden neu strukturierten: „Jedes Rudel scheint nun einen eigenen Anführer zu haben – einen großen, schwarz-gefiederten Vogel, der volle 1,80m groß ist und Wache hält, während seine Artgenossen ihrer Zerstörungsarbeit nachgehen, und sie vor uns warnt.“

Soldaten mit erlegtem Emu.
Gemeinfrei

Am sechsten Tag waren bereits 2.500 Patronen verschossen und eine unbekannte Anzahl von Vögeln getötet. Die Angaben von Zeugen und den örtlichen Farmern schwankten zwischen 50 und 500. Meredith meldete keine Verluste auf seiner Seite.

Australien erlebt sein Emu-Vietnam

Der australische Ornithologe Dominic Serventy kommentierte scherzhaft, das „Emu-Kommando“ habe „nachweislich Guerilla-Taktiken befohlen und seine schwerfällige Armee teilte sich bald in unzählige, kleine Einheiten auf“. Major Merediths Zeugnis drückt dem gefiederten Feind gegenüber höchsten Respekt aus:

„Wenn wir eine Division hätten, die so viele Kugeln einstecken kann wie diese Vögel, könnte sie es mit jeder Armee der Welt aufnehmen.“

Er schrieb, die Emus „können Maschinengewehren mit der Unverwundbarkeit von Panzern widerstehen.“

Australien muss den Einsatz aufgeben

Das Australische Repräsentantenhaus diskutierte den Einsatz und Sir Pearce beendete ihn zunächst. Doch schon fünf Tage später wurde Major Meredith wieder in den Emu-Krieg geschickt. Nach weiteren vier Einsatzwochen wurde er abberufen und meldete 986 getötete Emus. Weitere 2.500 seien schwer verletzt worden und daraufhin gestorben.

In den folgenden Jahrzehnten baten die Farmer wiederholt um Hilfe – ohne Erfolg. Erst das Wiederbeleben eines Kopfgeldsystems von 1923 brachte Ergebnisse: In gerade mal 6 Monaten wurden 57.034 Emu-Kopfgelder eingefordert. Bis heute werden Emus durch meilenlange Zäune abgehalten.