Die Kletterrouten-Datenbank The Crag verkündete, es habe eine „Vielzahl von Anfragen“ gegeben, beleidigende Routennamen zu ändern. Und man stimme den Kritikern zu:

„Als Kletterer haben wir vermutlich alle unsensible, verletzende, frauenfeindliche, homophobe und transphobe, rassistische, sexistische und andere erniedrigende Routen- und Klippennamen gesehen.“

Namen von derb bis harmlos

Gemeint ist eine große Bandbreite von nicht immer jugendfreien Kletterrouten-Namen. Angestoßen wurde die Debatte, nachdem eine Route im mexikanischen Monterrey den Namen „Tinder Pussy“ bekam. Auch „Rape and Pillage“ (dt.: „vergewaltigen und plündern“) befindet sich unter den diskutierten Namen.

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Klar, die sind weder geschmackvoll noch familienfreundlich. Im Fokus stehen aber auch Namen wie „Slope“. Das ist zwar ein Kletter-Wort für einen Griff, der kaum Halt bietet. Aber weil in Australien auch Asiaten so genannt werden, wittern Halbwissende auch hier Rassismus.

Wie kommen diese Namen zustande?

Wer eine Route zuerst bestiegen hat, gibt ihr den Namen. So lautete schon vor Jahrzehnten die Regel. Laut The Crags Marketingchef Ulf Fuchslueger führte das, vor allem vor 30 bis 40 Jahren, oft zu Übermut.

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Die GMX-Redakteurin Anita Klingler sieht noch einen weiteren „Teil des Problems“: Der Klettersport sei zwar „offener und populärer“ geworden, werde aber „immer noch von jungen weißen Männern“ dominiert. Diese Feststellung stimmt, immerhin ist die Wahrscheinlichkeit gering, dass 80-jährige Schwarze eine Steilwand erklimmen.

Blockwart-Aufrufe zum gegenseitigen Anschwärzen

Man sei auf die Community angewiesen, um „uns auf beleidigende Namen hinzuweisen“, schrieb Fuchslueger auf The Crag. Gemeldete Namen würden erst mal durch „Sanitise Review“ (Zensurprüfung) ersetzt, bis der Namensgeber einen Ersatz findet.

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Wenn er das nicht freiwillig tut, soll er den Namen erklären. Ansonsten werde man „jeden Vorschlag“ einer regionalen Lobbygruppe annehmen.

Kletter-Szene ist sauer auf Snowflakes

Der Name einer Route spiegle die Persönlichkeit des Namensgebers, „seine Kreativität und oft seinen Sinn für Humor“ wider, heißt es derweil in der wenig begeisterten Szene. Einige Nutzer forderten, selbst entscheiden zu können, ob sie die „beleidigenden“ Ergebnisse rausfiltern wollen.

Des Weiteren fehlt es vielen Kletterern nun an Orientierung. Sie benutzen beispielsweise analoge Karten, in denen nur die alten Namen stehen. Oder sie suchen nach einer bestimmten Route im Internet und finden sie nicht – weil der Name „bereinigt“ wurde.