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Wie ein überdimensionaler Zombie trottet das drei Meter große Flüchtlingsmädchen Amal im kommenden Jahr durch acht Länder. Mit der Kunstaktion will eine französische NGO auf das Schicksal von „Geflüchteten“ aufmerksam machen.

Das steckt hinter der Aktion

„Ein kleines Mädchen auf einer großen Reise“: so titelt die Organisation „Good Chance“ auf ihrer Webseite. 8.000 Kilometer soll die 3,5 Meter große Puppe mit dem Namen „Kleine Amal“ im kommenden Jahr 2021 zurücklegen.

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Darstellen soll das Ungetüm aus Kunststoff und Kohlefaser ein syrisches Flüchtlingsmädchen. Die zentrale Botschaft: „Kein Kind läuft 8.000 Kilometer von Zuhause weg. Es sei denn die Heimat ist nicht mehr sicher.“

Kunstvolle Asylforderung

Die Reise geht von der Türkei über Griechenland, Italien, Frankreich, die Schweiz, Deutschland, Belgien und das Vereinigte Königreich. Ziel der Aktion: „die Aufmerksamkeit auf die Bedürfnisse junger Flüchtlinge lenken“. Enden soll die Reise im Juli 2021 bei einem Festakt im Rahmen des International Festival im britischen Manchester.

Good Chance Theatre

Die Organisation Good Chance gründete sich nach eigener Aussage 2015 im sogenannten Dschungel von Calais – den mittlerweile geräumten Zeltstädten in Frankreich. Dort schuf die Organisation ihr „Theater der Hoffnung“. In ihrem Theaterstück „The Jungle“ trat ein Mädchen namens Amal auf, dass die „Hunderten unbegleiteten Minderjährigen“ in der Zeltstadt repräsentieren sollte.

Propaganda von »epischen Ausmaßen«

Das Ziel des Theaters: Durch Schauspiel und Aktionskunst soll „ein Licht auf die Flüchtlingskrise geworfen und eine globale Konversation über Immigration gestartet“ werden. „Wir kreieren Produktionen, die große Geschichten über Hoffnung und Menschlichkeit erzählen“, so die Organisatoren.

Good Chance Theatre

Das Projekt „The Walk“, bei dem nun die „Kleine Amal“ ihren Gang nach Europa antritt, sei „das bisher ambitionierteste Vorhaben“. Ihre Reise sei eine „Odyssey von epischen Ausmaßen“.

Finanziell gefördert wird die Organisation laut Good Chance-Webseite von der EU-Kommission, dem UN-Flüchtlingswerk und einer Reihe wohlhabender Stiftungen und privater Gönner. Per Crowdfunding kamen außerdem bereits 10.434 britische Pfund zusammen. 100.000 Pfund werden als Zielmarke angegeben. Da ist also noch Luft nach oben.

Im Bauch des Ungeheuers

Zu „atemberaubendem Leben erweckt“ wurde die Puppe durch die südafrikanische Firma Handspring Puppet Company, die zuvor bereits durch das sogenannte „War Horse“ – eine Art trojanisches Pferd – Berühmtheit erlangte.

Gelenkt wird die Pupe von vier Puppenspielerinnen – „eine für jeden Arm, eine, die den Rücken stützt und eine im Inneren, die auf Stelzen läuft“. Durch ein Geflecht aus Seilzügen können Gesicht, der Kopf und die Augen bewegt werden.

Die englische Filmemacherin Tracey Seaward, Produzentin von „The Walk“, glaubt, dass mit der Aktion nicht nur das „Trauma, welches Flüchtlinge erlitten haben“, geheilt werden könne. Auch die „wertvollen und sehr positiven Beiträge, die unsere Flüchtlingsfreunde geleistet haben und immer noch leisten“, könne man so zur Schau stellen.