Die rot-weiße Flagge mit dem Ahornblatt in der Mitte ist seit 1965 das Symbol von Kanada. Jetzt soll sie ersetzt werden durch den Entwurf eines indianischstämmigen Künstlers.

Das fordert zumindest eine Gruppe linker Aktivisten. Ihr Ziel: alle Kanadier täglich daran erinnern, dass sie auf „gestohlenem Land“ leben.

Symbol der »Inklusion«, das Millionen Kanadier ausschließt

Die Pläne zur politisch korrekten Umgestaltung der Flagge sehen eine Vermischung des Ahornblattes mit indigenen Symbolen vor. Ein Killerwal stehe für „Schutz“, ein Lachs für „Familie“, „Freundschaft“ und die „Stärke der Vielen“. Die Bedeutung des neuen Designs in einem Satz: „zusammenstehen, um einander zu unterstützen“.

Curtis Wilson verstarb 2019 an einem Herzleiden. 2014 hatte er seine Version der kanadischen Flagge gestaltet.
via curtiswilson.ca

Der Entwurf geht auf Curtis Wilson zurück, auch bekannt unter seinem indigenen Namen „Mulidzas“. Der 2019 verstorbene Künstler sah sich sowohl als Kanadier wie auch als „First Nation Canadian“ – also Teil der eingeborenen Bevölkerung.

Seine „duale Identität“ habe er in seine Arbeit einfließen lassen. Am Nationalfeiertag ist das von Wilson geschaffenen Design überall in den sozialen Medien zu finden. Oft verbunden mit dem Hashtag #IndigenousLivesMatter und kanada-feindlichen Kommentaren.

Demokratischer als Kanadas Flagge geht’s nicht

Das aktuelle Aussehen der kanadischen Flagge wurde 1965 festgelegt. Damals ließ ein parlamentarischer Ausschuss im ganzen Land tausende unterschiedliche Entwürfe von Bürgern prüfen. Als „Great Flag Debate“ ging dieses Vorgehen in die Geschichte ein. Das ausgewählte Design war also auf demokratische Weise entstanden und beschlossen worden.

Bei der großen Flaggendiskussion ging es vor allem um das genaue Aussehen des Ahornblattes.
Queen’s University Archives, John Matheson Fonds, Locator #2131

Der kanadische Politiker und Flaggen-Entwickler John Matheson erklärt: Die Flagge „war das Werk vieler liebevoller Hände über eine lange Periode der kanadischen Geschichte“.

Die Aktivisten hinter der Forderung zur Umgestaltung wollen davon nichts wissen. Amy Carlberg, die Autorin eines Artikels auf freshdaily.ca meint: „Viele Dinge könnte an Kanada verbessert werden, und vielleicht wäre die Flagge ein guter Anfang.“

Landesflagge nur noch mit Triggerwarnung?

Dass die traditionelle kanadische Flagge manchem Unwohlsein bereitet, verdeutlichte die Zeitung Chronicle Herald aus dem kanadischen Halifax Ende Juni. Die Zeitung druckte einen Hinweis auf die Titelseite, der nur als „Trigger-Warnung“ gelesen werden kann.

Die Zeitung gab einen besonders hervorgehobenen Warnhinweis heraus, weil sie die Landesflagge abdruckte.
@jonkay – via Twitter

Dort heißt es: „An unsere Leser: in der heutigen Ausgabe (…) finden Sie eine kanadische Flagge zum Anheften, um damit den 1. Juli zu feiern.“ Und weiter: „Wir verstehen, dass die Flagge nicht für jeden dasselbe bedeutet.“ Die Redaktion hofft jedenfalls, dass ihre Leser „ihre Fähigkeit wahrnehmen, bei der Gestaltung von Kanadas Zukunft eine Rolle zu spielen“.