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Die Parolen einer zweifelhaften Plakat-Serie hat zwar einen Disclaimer. Aber macht der es besser?

Auffallen um jeden Preis

In letzter Zeit kam in einigen Zeitungen der Gedanke auf, dass das omnipräsente Thema „Corona“ zu wenig kreativ verarbeitet werden würde. Damit waren allerdings nicht die teilweise ebenfalls einfallsreichen Corona-Maßnahmen der Regierung gemeint, sondern die Werbe- und Künstlerbranche.

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Diese Plakatmotive sind bislang bekannt.
Brain’n’Dead

Die Berliner Agentur „Brain’n’Dead“ entwarf daraufhin eine provokant gemeinte Plakatkampagne, die zum Impfen motivieren soll und jetzt viral wurde. Der Grund sticht sofort ins Auge:

„AfD-Wähler müssen sterben!“, heißt es auf einem der Plakate. In viel kleinerer Schrift steht darunter: „Aber nicht an Corona.“ Verbunden wird das Ganze mit dem Aufruf, sich impfen zu lassen und am Leben zu bleiben.

Fördert die Kampagne politisch motivierte Gewalt?

Vor dem Hintergrund, dass AfD-Politiker wiederholt Opfer von Übergriffen und sogar von schweren Gewalttaten waren, könnte man die Plakate als mindestens geschmacklos bezeichnen. Klar erscheint allerdings auch, dass es hier weniger ums Impfen denn um mediale Aufmerksamkeit geht.

Anstatt jedoch mit mutigen Botschaften zu spielen, setzen die Macher voll und ganz auf Feindbilder. Dass der Slogan „AfD-Wähler müssen sterben!“ mit einem kleinen Nachsatz versehen wurde, wirkt in Anbetracht der gegenwärtigen Bedrohungslage durch gewaltbereite Linksextremisten eher wie ein juristischer Disclaimer. So wird aus harter Ideologie augenzwinkernd unangreifbare Satire.

Besteht Missverständnispotential? Könnte es sein, dass jemand den kleingedruckten Nachsatz nicht liest? Diese Fragen wird auch beim nächsten Anschlag auf einen AfD-Anhänger kaum jemand stellen. Ob das auch so wäre, wenn statt „AfD-Wähler“ Mitglieder anderer Parteien oder gesellschaftlicher Gruppen auf dem Plakat stehen würden?