Du kennst Gothic nicht? Dann geh uns aus den Augen! Nein, ernsthaft, dann hast du ganz schön was verpasst.

1Schon der Anfang ist herrlich trocken!


Ein zünftiges Spiel muss mit Explosionen, Toten, heftigen Träumen oder anderen dramatischen Ereignissen beginnen? Stimmt nicht. Gothic hat nämlich das Gegenteil bewiesen. Es beginnt damit, dass du wegen eines Verbrechens in eine Strafkolonie geworfen wirst. Warum? Keine Ahnung.

Deine erste Interaktion ist kein blumiger Dialog. Du wirst nicht Zeuge eines tragischen Unglücks. Nein, es kommt einfach nur irgendein Typ, packt dich am Kragen, heißt dich im Lager willkommen und haut dir kräftig was auf’s Maul!

2Niemand interessiert sich für dich!

Du bist namenlos. Gut, das gibt es in unzähligen Büchern, Filmen und Spielen. Aber bei Gothic hat das nur zwei Gründe: Einerseits willst du gar nicht mit irgendwem warm werden. Andererseits wirst du in den wenigen Momenten, in denen du dich vorstellen möchtest, unterbrochen. Oder im Zweifelsfall einfach direkt beleidigt.

3Hier herrscht ein rauer Ton!

Bei Gothic werden keine schillernden Reden geschwungen. Mittelalter- und fantasyübliche Höflichkeiten existieren nicht. Da hört man eher Sätze wie: „Ich glaube, ich hau dir jetzt mal was aufs Maul.“

Oder wenn du jemanden mit einer gezogenen Waffe provozierst und sie rechtzeitig wieder wegsteckst: „Dein Glück! Aber ich hätte dir auch gerne die Fresse poliert.“ Haben wir erwähnt, dass die Entwickler aus dem Ruhrpott kommen?

4Du bekommst witzige Typen und Dialoge am Fließband!

Die Sprachausgabe ist an und für sich schon der Hammer. Richtig witzig wird es dann, wenn man auf seinen Wegen dauernd irgendwelchen irren oder lustigen Typen begegnet und in völlig abwegige Dialoge verwickelt wird oder für dumme Fragen auch eine ebenso dumme Antwort bekommt.

5Gothic ist nichts für Leichtgläubige und Unbedarfte!

Es gibt diese Gothic-Momente, in denen Leute besonders nett zu dir sind. Sie wollen dir eine „kinderleichte“ Aufgabe geben, dir viel Gewinn versprechen oder bitten dich um Hilfe. In den allermeisten Fällen führt das dazu, dass du in Lebensgefahr gerätst oder über’s Ohr gehauen wirst. Oder dir poliert wieder jemand die Fresse.

6Bei aller Härte gibt es auch echte Freundschaft und Kameradschaft!

In der Gothic-Welt muss man sich bewähren. Aber wenn man das getan hat, gibt es auch Dinge wie wahre Freundschaften und Gemeinschaft, die einem alles wieder erträglicher machen.

7Es gibt nichts umsonst!

Klar ist mal der ein oder andere nett zu dir. Aber grundsätzlich krümmt keiner den Finger ohne Gegenleistung. Selbst der netteste Kerl wird dir vielleicht den Rat geben, dir schleunigst eine Waffe zu besorgen. Er wird dir aber nicht sagen, wie du das am besten anstellst. Und schenken wird er dir schon gar nichts. Bestenfalls verkauft er dir eine zum Wucherpreis.

8Die Dialoge im Hintergrund sind so richtig schön belanglos!

Du führst ständig Gespräche mit den hunderten Figuren im Spiel, die liebevoll geschrieben und vertont wurden. Wenn sie aber in der Kneipe, am Lagerfeuer oder beim Wachestehen miteinander reden, tritt das Gothic-Phänomen ein: Die NPCs hauen sich eine Endlosschleife von unpräzisen Phrasen um die Ohren.

Die ergeben eigentlich kein richtiges Gespräch, aber das stört die Atmosphäre kein bisschen. Ist im echten Leben ja auch nicht anders.

9Gothic ist politisch unkorrekt!

Im ersten Teil kommen praktisch keine Frauen vor. Spielt ja auch in einer Strafkolonie. Später gibt’s Bäuerinnen, Handwerkersfrauen, Prostituierte und ’ne Kräuterhexe. Die sind auch größtenteils nett und sympathisch.

Aber es gibt keine abgeklärte Feministenheldin, die es allen zeigt und alles besser kann als Männer. Generell wird das Thema „Diversity“ hier eher ignoriert.