Während Frauen im Nahen Osten gegen radikale Islamisten aufbegehren, fordern westliche Feministinnen häufig Verständnis für eigentlich zutiefst frauenfeindlichen Praktiken. Wie kommt das? Und wer hat Recht?

Eine mögliche Erklärung: Feministinnen hängen einer linken Ideologie an und fühlen sich deshalb verpflichtet, allerlei Opferrollen anzuerkennen. So lassen sie sich nicht selten hinreißen, fundamentalistische Islamisten zu verteidigen. Und das, obwohl Anhänger eines radikalen Islams ständig die wichtigsten Überzeugungen des Feminismus verletzen: 

1»Frauen sollten selbstbestimmt sein!«

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Das Ideal der glücklichen, starken, selbstbestimmten Karrierefrau interessiert Islamisten wenig. Manche Gelehrte streiten sich sogar lieber darum, bis zu welchem Grad man seine Frau verprügeln darf.

2»Frauen sollen sich sexuell befreien!«

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Sexuelle Selbstbestimmung war ein Ziel der frühen Feministinnen. Inzwischen sind daraus im Westen „Slut Walks“ und „feministische Pornodarstellerinnen“ geworden. Islamisten halten von all dem gar nichts. Bei ihnen kann sogar ein entblößter Fußknöchel mal Anlass zu körperlichen Strafen geben.

3»Wenn schon Ehe, dann für alle!«

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Eine „Ehe für alle“ kommt für Islamisten überhaupt nicht in Frage. Und nicht nur das. In einigen Ländern verbieten bestimmte Strömungen Frauen sogar, sich von ihrem Mann scheiden zu lassen oder knüpfen ihre freie Entscheidung an Bedingungen wie eine materielle Entschädigung.

Dass sexuelle Minderheiten wie Homosexuelle nicht heiraten, ist in der islamischen Welt sogar fast ausnahmslos Konsens. Und mehr noch: In vielen islamisch geprägten Ländern werden Schwule und Lesben juristisch verfolgt.

4»Monogamie ist eine Gefangenschaft!«

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Islamisten sehen zwar kein Problem darin, dass Männer mehrere Frauen haben. Aber eine Frau mit mehreren Männern ist unvorstellbar. Von Gleichberechtigung kann da jedenfalls nicht gerade die Rede sein.

5»Mein Bauch gehört mir!«

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Zum Thema „Abtreibungen“ gibt es verschiedene islamische Rechtsauffassungen. Für einige Gelehrte beginnt das menschliche Leben erst mit der 18. Schwangerschaftswoche, andere erlauben prinzipiell eine Abtreibung von behinderten Kindern. Ein Kind allerdings als verspätete Verhütungsmaßnahme abzutreiben, „weil es gerade nicht so passt“, ist gerade für Fundamentalisten völlig undenkbar.

6»Menstruationsblut ist nicht eklig!«

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Mit „Period Shaming“ bezeichnen westliche Feministinnen die Unterdrückung und Benachteiligung von Frauen, weil sie eine Periode haben. Was im Westen zumindest mal zweifelhaft ist, wird von Islamisten gelebt:

Für sie gelten Frauen, die ihre Tage haben, als unrein. Sie dürfen dann in einigen Strömungen beispielsweise keinen Koran berühren.

7»Eine Frau muss sich vor niemandem verantworten!«

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In der Vorstellung von Islamisten sind Frauen Männern untergeordnet. Ein Mann, der insbesondere in Fragen der Kleidung und der Sexualität nicht hart durchgreift, wird als „Dayyuth“ bezeichnet und kommt nicht ins Paradies.

8»Eine Frau braucht einen Mann wie der Fisch ein Fahrrad.«

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Das ist ein bekannter Feministen-Slogan. In vielen fundamental islamischen Ländern dagegen braucht eine Frau einen männlichen Vormund, der für sie spricht. In der Öffentlichkeit hat sie mehr oder weniger zu schweigen und bestimmte Rechtsgeschäfte sind ohne Einwilligung des Mannes nicht möglich.