Seit 2005 sitzt der SPD-Politiker Karl Lauterbach (57) im Bundestag. Erst seit kurzem ist er wieder Dauergast in allen Talk-Shows der Republik. Das kommt nicht von ungefähr: In der Corona-Krise mausert sich der Politiker zum nationalen Bedenkenträger. Wer bei Google „Lauterbach warnt“ eingibt, könnte glatt depressiv werden, wenn‘s nicht so lustig wäre…

1Menschen aus Gütersloh

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Im Kreis Gütersloh hatte Mitte des Jahres ein Corona-Hotspot rund um die Firma des Fleischfabrikanten Tönnies für helle Aufregung gesorgt. Mitarbeiter hatten sich in großer Zahl mit dem neuen Erreger infiziert.

Die Zahl der schweren Verläufe blieb zwar gering, doch Lauterbach schlug dennoch Alarm: „Ich bin sicher, dass deutlich mehr Menschen außerhalb der Mitarbeiterschaft inzwischen infiziert sind“, sagte er der Rheinischen Post Ende Juni.

2Klospülung

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„Unappetitliche Aerosole“ lauern laut Lauterbach besonders an einem Ort: im WC. Wenn der Corona-Infizierte aufs Töpfchen geht und die Klospülung betätigt, können die Corona-Partikel durch einen sogenannten „Kamin-Effekt“ durchs ganze Haus getragen werden – und so weitere Menschen anstecken. Eine eklige Hiobsbotschaft, die allerdings längst noch nicht wissenschaftlich bewiesen ist. Macht aber nichts: Lauterbach warnt trotzdem prophylaktisch.

3Sonnenstudios

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Man sollte in Deutschland über ein grundsätzliches Verbot von Solarien nachdenken, meint Lauterbach. Warum? Anlässlich des Weltkrebstags am 4. Februar 2020 erklärte der SPD-Gesundheitsexperte, dass das Sonnen unter Kunstlicht als Körperverletzung anzusehen sei. Laut dem Onlineportal readioleverkusen empfindet er das positive „Image von gebräunter Haut in der Gesellschaft“ als problematisch.

450.000 Todesfälle bis Weihnachten

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„Corona-Chaos! Verliert die Regierung die Kontrolle?“ Unter diesem drastischen Titel berichtet die Bild-Zeitung Mitte Oktober über apokalyptische Szenarien. Stichwortgeber: Karl Lauterbach.

Der meint: Wenn man die Infektion mit einem R-Wert von rund 1,3 „so durchlaufen ließe“, dann würden „bis Weihnachten zusätzlich zu den Todesfällen, die wir haben, (…) zusätzliche 50.000 Menschen verstorben sein.“ Das hätten auch seine „Berechnungen“ ergeben. Seit Beginn der Pandemie sind offiziell etwa 10.500 Deutsche verstorben.

5Hotelbetten

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Kann man sich mit dem Corona-Virus infizieren, wenn man im Hotel übernachtet? Eine entsprechende Studie habe das angeblich nahegelegt, so Lauterbach. Der erklärt auf Twitter: „Neue gut gemachte Studie zeigt, dass asymptomatische Infizierte große Virusmenge im Hotelzimmer ausbreiten. Kopfkissen, Bettdecke etc..“

Der SPD-Politiker zieht die Konsequenzen: „Da sich das Virus dort lange hält, werde ich selbst Hotelübernachtungen weiter auf das absolute Minimum beschränken.“

6Präsenzunterricht an Schulen

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„Regulärer Unterricht fällt für mindestens ein Jahr aus.“ So schreibt es Lauterbach am 4. April auf Twitter. Seine Befürchtung: Schulen könnten sich als Superspreader-Orte erweisen und so die Infektion weit in die Bevölkerung hineintragen.

Ein halbes Jahr später ist klar: Die meisten Schulen nahmen den Betrieb nach den Sommerferien – mit entsprechenden Maßnahmen – wieder auf. Und: Aus Schulen sind kaum Infektionen bekannt geworden.

7Abschaffung der Maskenpflicht

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Im Juli bringen Politiker wie der Wirtschaftsminister von Mecklenburg-Vorpommern, Harry Glawe (CDU), die Abschaffung der Maskenpflicht in Geschäften ins Gespräch. Mit Blick auf die sehr niedrigen Infektionszahlen sei diese Lockerung vertretbar. Lauterbach widerspricht in der Rheinischen Post: Die Abschaffung sei „das völlig falsche Signal“.

8Falsche Vergleiche

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In Zeiten der Pandemie ganz wichtig: „Verschwörungstheorien entgegenwirken“. So erklärt es Lauterbach Anfang Februar im Deutschlandfunk. Wer etwa die Auswirkungen der normalen saisonalen Grippe mit dem Corona-Virus vergleiche, dem müsse entschieden widersprochen werden. Also zum Beispiel auch vielen Ärzten.

9EHEC-Folgeschäden

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Als Mitte 2011 der neue EHEC-Erreger die Welt in Atem hielt, war Lauterbach bereits als Mahner und Warner ganz vorne mit dabei. Er prophezeite Erkrankten massive Folgeschäden: „Etwa 100 Patienten sind so stark nierengeschädigt, dass sie ein Spenderorgan brauchen oder lebenslang zur Dauerdialyse müssen“, so Lauterbach damals zur Bild am Sonntag.

10IQ-Verlust

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Schon wieder schlechte Nachrichten: Gerade hat Merkel den neuen Lockdown für November beschlossen, da legt Lauterbach mit einer neuen Warnung nach. Eine Studie des Londoner Imperial College belege einen „IQ-Verlust durch eine Covid-19-Erkrankung“. Lauterbach erklärt: „Bei einem schweren Verlauf verliere man im Schnitt 8,5 IQ-Punkte.“ Das Hirn altere dabei „um 10 Jahre“.

Wissenschaftlich belegt ist auch diese Behauptung nicht. Joanna Wardlaw, Professorin für Neuroimaging an der Universität Edinburgh widerspricht den Thesen bei n-tv deutlich: „Die kognitive Funktion der Teilnehmer vor Covid ist nicht bekannt, und die Ergebnisse spiegeln auch nicht die langfristige Genesung wider.“

11Private Feiern

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Im neuen Lockdown will Lauterbach besonders drastisch durchgreifen. Auch in privaten Räumen müsse die Einhaltung von Kontaktbeschränkungen nötigenfalls kontrolliert werden. Gegenüber der Rheinischen Post sagte Lauterbach:

„Wir befinden uns in einer nationalen Notlage, die schlimmer als im Frühjahr werden kann. Die Unverletzbarkeit der Wohnung darf kein Argument mehr für ausbleibende Kontrollen sein.“

12Kurze Autobahntunnel

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Der promovierte Mediziner Lauterbach scheint auch was von Baumängeln an Autobahntunneln zu verstehen. Der Kölner Stadt-Anzeiger berichtet im Juni 2018 über eindringliche Warnungen des SPD-Abgeordneten bezüglich eines solchen Bauwerks auf der A1 in Leverkusen.

Seine Bedenken äußert er damals auf Facebook wie folgt: „Ich bleibe dabei: nur ein langer Autobahntunnel kann vor starker Gesundheitsschädigung durch Abgase und Feinstaub schützen!“

13„Brain Fog“

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Noch ein mysteriöser Nebeneffekt einer Corona-Infektion? Auch nach der Genesung leiden manche Patienten an Kopfschmerz, Schwindel und Müdigkeit. Das haben Forscher im Oktober dem SWR erklärt.

Eine sogenannte Meningoenzephalitis könne sogar zu „dauerhaften Gedächtnisproblemen“ führen. Lauterbach nennt das „Brain Fog“ – also „Hirn-Nebel“ und schlägt Alarm.

14Jazzfestivals

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Musikveranstaltungen in Corona-Zeiten? Keine gute Idee, meint Lauterbach. Bei den Dresdner Jazztagen saßen Ende Oktober etwa 700 Menschen dichtgedrängt in einem Konzertsaal. RTL schreibt: „Fragwürdiges Hygiene-Konzept bei Jazzkonzert.“

Für den SPD-Gesundheitsexperten Lauterbach ist klar: Eine solche Veranstaltung könne „Todesfälle zur Folge haben“. Was da stattgefunden habe, sei ein „unethischer Menschenversuch“, so Lauterbach im Bild-Gespräch. Ob es bei dem Konzert Infektionen gegeben hat? Bislang ist darüber nichts bekannt.

15Corona-App

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Wenn man die Corona-Warn-App installiert hat, schön und gut. Das reicht aber nicht, findet Lauterbach. Man dürfe sich nämlich nicht zu sehr auf die Software verlassen und dann möglicherweise nachlässig im Alltag werden:

„Es ist klar, dass die App nicht dazu führen darf, dass der einzelne leichtsinniger im Umgang mit Kontakten ist“, so Lauterbach laut Saarbrücker Zeitung Mitte Juni. Niemand dürfe sich zu sicher fühlen, nur weil man „keine Warnung bekommen hat, wenn man die App genutzt hat“.

16Corona-Lockerungen

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Hoffnungen auf baldige Corona-Lockerungen erteilt Lauterbach Ende September bei Hart aber Fair eine Absage, denn: Auch im kommenden Herbst gelte es, die Virus-Ausbreitung zu verhindern. Das werde aber schwierig, da man sich in der kalten Jahreszeit häufiger drinnen aufhalte.

Lauterbach: „Wir haben jetzt im Sommer etwas Normalität gehabt, weil wir jetzt durch das Draußen-sein viel weniger Infektionen hatten, als wir im Herbst erwarten müssen.“

17Corona-Folgeschäden

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Langzeitstudien und verlässliche Untersuchungen sind rar, weshalb man mit zu gewagten Thesen bezüglich des Corona-Virus und seiner Gefährlichkeit vorsichtig sein müsste. Lauterbach scheint das etwas anders zu sehen.

Der Passauer Neuen Presse erklärt er Anfang April, dass Covid-19 nicht nur zum Tod führen kann, sondern dass viele, die es überleben, „erhebliche Behinderungen“ erleiden würden.

18Fußballfans

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Sollen Fußballspiele in Stadien bald wieder mit Zuschauern stattfinden dürfen? Nicht, wenn es nach Lauterbach geht. Ein entsprechender Vorstoß der Deutschen Fußball Liga (DFL) sei „überhaupt nicht angemessen“, so Lauterbach bei Maischberger.

Die Stadion-Öffnung sei in jedem Fall das falsche Signal: „Das klingt so, als ob wir ein Stück weit zur Normalität zurückkehren. In Wirklichkeit ist es aber umgekehrt”, so Lauterbach in der Sendung Hart aber fair Ende September.

Auch in Stadien könne man sich anstecken, zum Beispiel wenn man „laut mit dem Nachbarn redet, auch wenn man draußen sitzt“.

19Corona-Todeskuss

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Anfang April sitzt Lauterbach erneut in der Runde von Markus Lanz und warnt dort vor einem „Todeskuss“ des Coronavirus im Herbst. Deutschland sei noch lange nicht über den Berg, was das Virus angehe.

20Weitere Pandemien

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Eine Pandemie kommt selten allein. Ende März erklärt Lauterbach dem Lokalblatt Kölner Stadt-Anzeiger: „Corona wird nicht die letzte Pandemie sein, die uns erreichen wird.“ Schuld daran seien die Globalisierung, das Bevölkerungswachstum, die zunehmende Urbanisierung und der Klimawandel. All diese Faktoren würden „das Risiko von weltweiten Infektionen stark“ erhöhen.