In einer ergreifenden Mail an die australische Nachrichtenplattform sausageroll.com.au erzählt ein Junge namens Lucas von den traumatischen Erfahrungen mit seiner Mutter, die ihn dazu zwang Mädchenkleider und Make-Up zu tragen.

Bis seine Eltern sich trennten, war alles normal

„Ich wusste nicht mehr, wer ich war“, sagt Lucas rückblickend über seine Zeit als „Transmädchen“.

Aber langsam: In Australien war für den damals Neunjährigen noch alles in Ordnung. Videospiele, Freunde treffen, ein normaler Alltag.

In Australien führte Lucas ein ganz normales Leben.
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Sein Vater und seine aus den USA stammende Mutter hatten sich im Internet kennengelernt. Sie war eine erfolglose Schauspielerin, die in Indie-Filmen mitspielte und ihr Brot als Kellnerin verdiente – er ein Handwerker. Doch irgendwann begann es zu kriseln.

Kontakt zum Vater wird komplett unterbunden

Auf die Trennung seiner Eltern folgte dann der große Schock. Seine Mutter nahm Lucas mit zurück in die USA, wo die beiden fortan bei seiner Großmutter lebten.

Mit dieser Zeit verbindet Lucas unschöne Erinnerungen: „Es war einfach scheiße. Ich musste raus aus der Schule und in ein fremdes Land, in dem ich keine Freunde hatte. Ich durfte nicht mal mehr mit meinem Vater reden.“

Doch dabei blieb es nicht: Wenn Lucas‘ Mutter und Großmutter über seinen Vater sprachen, benutzten sie Wörter wie „Sexist, Hinterwäldler und Vergewaltiger“. Sie hatten ihn als ein Monster dargestellt und Lucas glaubte es bald auch.

Eine vermeintlich harmlose Frage mit Folgen

Dann, 2014, nahm die Tortur ihren Lauf: „Es fing alles damit an, dass meine Mutter die ganze Zeit die Crossdressing-Show RuPauls Drag Race mit mir schauen wollte. Dann drehte sie sich eines Tages zu mir um und sagte mir ich wäre besonders und nicht wie die anderen Kinder.“

Cast der Netflix-Show „RuPauls Drag Race.
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„Sie fragte mich, ob ich mich mehr wie sie oder wie mein Vater fühlte… Bei all den schlimmen Dingen, die sie mir über ihn erzählte hatte, antwortete ich ihr natürlich, ‚Wie du, Mama.’“

Seine Mutter redete ihm ein, er sei eigentlich ein Mädchen

Es dauerte nicht lange und Lucas‘ Mutter kam in sein Zimmer, zog ihm alle seine Kleider aus und verstreute sie auf dem Boden seines Kinderzimmers. „Schau,“ sagte sie „Fühlt sich das alles nicht falsch an? Das bist nicht du, Lucy.“

Der Junge war verwirrt – er kannte keine Lucy, aber vertraute seiner Mutter.
Die wiederum regte ihn an sich von allen „toxischen Dingen“ in seinem Leben zu trennen. Sie redete ihm ein, von seinem Vater manipuliert geworden zu sein – und deswegen jahrelang gedacht zu haben, er wäre ein Junge.

Plötzlich halten Lucas alle für mutig und besonders

Was nun folgte, schildert Lucas so: „Ich musste mein Haar wachsen lassen, Make-Up tragen und mir ein Kleid mit Netzstrumpfhosen und Schleifchen anziehen. Sie nannte mich Lucy. Sie war meine Mutter, also glaubte ich ihr.“

Das „Transgender-Kind“ Desmond wurde laut seinen Eltern zu nichts gezwungen.
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„In der Schule fühlte ich mich wie ein Star, die Lehrer vergötterten mich und stellten mich als Vorbild für andere Kinder da. Ich konnte nie etwas falsch machen und wurde nicht gemobbt. Ich schätze, ich mochte die Aufmerksamkeit und spielte mit.“

Sie verkauft ihren Sohn gegen Aufmerksamkeit

Laut Lucas genoss seine Mutter die Aufmerksamkeit genauso wie er. So lud man sie zu Events ein, auf denen sie darüber sprach, wie es sei „Transkinder“ zu erziehen – sogar bis in bekannte australische Magazine wurden die beiden herumgereicht.

Im Alter von 11 bis 14 Jahren sollen sie auch auf unzähligen Partys gewesen sein, „Clubs der High-Society, die voller halbnackter Männer und Stripper waren.“ Dabei soll es oft zu sexuellen Belästigungen gekommen sein.

Lucas wollte raus aus dem Sumpf, aber seine Mutter zwang ihn zu immer schlimmeren Dingen. Erst musste er vor diesen alten Männern ebenso halbnackt auf einer Bühne tanzen, dann sollte er sogar auf ein Date mit einem gehen.

Erst nach Jahren schafft er es, sich von seiner Mutter zu lösen

Als Lucas sich in eine Klassenkameradin verliebte, seine Mutter davon Wind bekam und es ihm verbieten wollte, wurde es zu viel für den Jungen.

Erst mithilfe seiner Freundin fand Lucas den Mut, gegen seine Mutter aufzustehen.
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Mithilfe seiner neuen Freundin befreite er sich vom Einfluss seiner Mutter und begann ein neues Leben. „Die Sonderbehandlung war fort“, schrieb Lucas dazu „aber wenigstens war ich wieder ich selbst.“

Mit seiner Geschichte will Lucas Betroffenen helfen

Den Kontakt zu seinem Vater nahm er auch wieder auf. Dessen Version der Geschichte sah nämlich ganz anders aus: Während er gearbeitet hat, soll Lucas‘ Mutter sich mit fremden Männern im Internet vergnügt haben. Als er sie daraufhin angesprochen hatte, soll alles auseinandergebrochen sein.

Heute identifiziert sich der 16-jährige stolz als Junge und will bald seinen Vater besuchen. Er ist froh, dass die „Lucy“-Geschichte vorbei ist und hofft, dass seine Geschichte anderen Kindern mit gleichem Schicksal hilft.

Er akzeptiert zwar, dass es viele Kinder gibt, die sich als Transgender identifizieren, glaubt aber auch, dass viele von ihren Eltern dazu gezwungen werden.