Nur dreieinhalb Jahre nach Gründung der DDR, erhob sich das deutsche Volk gegen das Sozialistenregime und zwang es binnen Stunden in die Knie. Nur durch Hilfe aus Moskau konnte der Aufstand niedergeschlagen werden und die DDR für weitere 36 Jahre überleben.

1Volksaufstand endet blutig

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Bei der Niederschlagung des Aufstands wurden etwa 50 Menschen getötet, darunter auch Angehörige der DDR-Sicherheitsorgane. Insgesamt sind etwa 15.000 Personen festgenommen worden. 1.526 Angeklagte wurden bis Ende Januar 1954 verurteilt.

2Menschen kämpften gegen Sozialismus

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Die Ursachen des Volksaufstands gehen auf die II. Parteikonferenz der SED im Juli 1952 zurück. Dort hatte Parteichef Walter Ulbricht den „planmäßigen Aufbau des Sozialismus“ verkündet, sprich: Privatunternehmen wurden enteignet und verstaatlicht und die Landwirtschaft zwangskollektiviert.

Infolgedessen kam es zu einer schweren Ernährungskrise, der Lebensstandard sank und die industrielle Produktion brach ein. Ab Mai 1952 wurde das vom Staat vorgegebene Arbeitspensum dann noch um 10,3 Prozent erhöht – bei gleichen Löhnen.

3SED ruderte zurück

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Die harte Hand der SED ging selbst den Sowjets zu weit, die ihren Vasallen in Ost-Berlin einen Kurswechsel verordneten. Ulbricht und seine Genossen spurten: Am 9. Juni 1953 zogen sie u.a. Steuer- und Preiserhöhungen zurück – die Normerhöhung aber sollte bleiben.

4Aufstand begann schon am 15. Juni

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Als Protest gegen die Staatsquote, die für sie 10 Prozent weniger Lohn bedeutete, blieben Bauarbeiter am Morgen des 15. Juni in der Ostberliner Stalinallee in ihren Baubuden – der Ausschlag zur Rebellion des ganzen Landes.

5Am 16. Juni wurde der Protest riesig

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Am Morgen des 16. Juni formierte sich in der Stalinallee ein Demonstrationszug von etwa 700 Bauarbeitern. Als die Menschen vor dem Sitz der DDR-Regierung ankamen, waren sie bereits tausende. Als Industrieminister Fritz Selbmann ihnen tatsächlich zurief, dass die Normerhöhung zurückgenommen sei, war es zu spät.

Die Demonstranten forderten jetzt auch freie Wahlen. Unter dem Jubel der Masse rief ein Arbeiter für den 17. Juni den Generalstreik aus.

6Am 17 Juni stand ein ganzes Land auf

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Am Abend des 16. Juni demonstrierten in Ost-Berlin bereits circa 20.000 Menschen. Am 17. Juni war schließlich das ganze Land auf der Straße.

Mehr als eine Million Menschen in über 700 Städten, Ortschaften und Betrieben legten ihre Arbeit nieder, um sich gegen das unterdrückerische SED-Regime zu erheben – und zwar überwiegend friedlich.

Ihre Ziele: Rücktritt der Regierung, Wiedervereinigung, Freiheit für alle politischen Gefangenen und freie Wahlen.

7Stasi hat Angst

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„Nicht einschreiten, totlaufen lassen“ – so lautete der hoffnungsvolle Befehl des Chefs der Staatssicherheit Wilhelm Zaisser. Der Aufstand sollte von selbst verschwinden, weswegen der DDR-Staatsrundfunk auch nicht über die Situation berichten durfte.

8Gefangene wurden befreit

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In Magdeburg überwanden Demonstranten mit einem Telegrafenmast als Rammbock das Tor zur Untersuchungshaftanstalt der Volkspolizei – wo viele politische Gefangene saßen.

9Der Sieg ist nah!

Gemeinfrei

Am Vormittag erklommen die Berliner Ralf Schönhofer, Horst Ballentin und Wolfgang Panzer das Brandenburger Tor, um die dort gehisste rote Sowjetfahne runterzureißen. Die Menge jubelte, als sie das verhasste Symbol des Kommunismus verbrannte.

„Ich will und wollte kein Held sein“, erinnerte sich Schönhofer 50 Jahre später. „Die Stimmung damals hat mich mitgerissen. Die Menschen waren bereit, ihr Leben für die Freiheit zu riskieren – da musste ich einfach mitmachen.“

Fällt das Symbol des Feindes, ist die Schlacht eigentlich vorbei. Doch Schönhofers Plan, nun auf dem Brandenburger Tor die Berliner Bären-Fahne zu hissen, scheiterte zwei Stunden später am Beschuss sowjetischer Soldaten.

10„Der große Bruder“ greift ein

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Hilflos wie die Regierung Ulbricht war, übernahm die Sowjetunion die Regierungsgewalt in weiten Teilen der DDR und verkündete das Kriegsrecht. Gegen 11:30 Uhr rollten sowjetische Panzer vom Typ T-34 ins Ost-Berliner Stadtzentrum.

Seite an Seite mit der Kasernierten Volkspolizei, dem Vorläufer der Nationalen Volksarmee der DDR, wurde der Volksaufstand gewaltsam niedergeschlagen. Ohne die Hilfe der Sowjetunion wäre das SED-Regime am 17. Juni 1953 zusammengebrochen.

11„Nur ein paar Irregeleitete…“

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Gleich am nächsten Tag, tönte das zentrale Propagandaorgan der SED, das „Neue Deutschland“ (gibt es heute noch), der Aufstand sei das Ergebnis einer „faschistischen Provokation“ gewesen.

Später schmückte die SED die offizielle Darstellung aus: „Während irregeleitete Bürger und zum Streik verführte Arbeiter Agenten ausländischer Mächte und des westdeutschen Monopolkapitals sowie nazistischen Kräften auf den Leim gegangen seien“, so der Historiker Michael Lemke zusammenfassend, „habe die überwiegende Mehrzahl der Werktätigen fest zu Partei und Regierung gestanden und Besonnenheit gezeigt“.

12Ein Funken Selbstkritik

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In Wahrheit stand die Führung unter Schock. Intern erkannte Ministerpräsident Otto Grotewohl sogar an, dass „bedeutende Schichten der Bevölkerung“ zu Gegnern geworden seien und sich viel Zündstoff „aus einer falschen sozialen Politik“ ergeben hätte.

13Trauern verboten!

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In der DDR durfte der Opfer des Volksaufstandes nicht gedacht werden.

Doch der westdeutsche Bundestag richtete am 21. Juni 1953 einen Trauerakt aus. Auch vor dem Schöneberger Rathaus in West-Berlin kamen rund 125.000 Menschen zu einer Trauerfeier zusammen. Zudem wurden im ganzen Bundesgebiet und in West-Berlin Trauerminuten für die Opfer eingelegt und am 22. Juni 1953 beschloss der Senat von West-Berlin, einen Teil der Charlottenburger Chaussee in „Straße des 17. Juni“ umzubenennen.

1417. Juni war „Tag der deutschen Einheit“

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Am 3. Juli 1953 erklärte der Deutsche Bundestag den 17. Juni zum gesetzlichen Feiertag. Bis 1990 feierten die Deutschen an diesem Datum den „Tag der deutschen Einheit“.

Seitdem dieser Feiertag am 3. Oktober begangen wird, werden am 17. Juni staatlicherseits nur noch die Dienstgebäude des Bundes beflaggt.

15Denkmal verwahrlost

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Am 25. Juni 1953 errichteten Aufständische, die nach West-Berlin geflüchtet waren, auf dem Mittelstreifen der Potsdamer Chaussee im West-Berliner Ortsteil Nikolassee ein großes, aber schlichtes Holzkreuz zum Gedenken. Auf einer Tafel steht: „Den Opfern und unerschrockenen Kämpfern für Menschenrecht und Menschenwürde, für Wahrheit und Freiheit.“

Wie ein Vertreter des Vereins „Vereinigung 17. Juni 1953“ im Jahr 2016 dem Bayrischen Rundfunk klagte, verwildert das Gedenkmal vor sich hin. Eine Schule, die eine Patenschaft übernehmen und sich um die Pflege kümmern solle, suche man seit Jahren vergeblich.