Die political correctnes schlägt immer weiter um sich: Jetzt geraten Stadtwappen ins Visier. Abbildungen von Afrikanern, wie es sie häufig gibt, seien rassistische Relikte aus der Kolonialzeit. Stimmt das?

Oftmals haben Wappen eine interessante Entstehungsgeschichte. Die verwendeten Symbole sollten nämlich bestimmte Eigenschaften der Wappenträger ausdrücken. Was aber sagt man mit einem „Mohren“ im Wappen?

Wenn man versucht, die Wappen erstmal zu verstehen, bevor man ihre Abschaffung fordert, stellt man fest: Afrikaner auf Stadtwappen sind kein Zeichen von Rassismus, sondern von einer bewegten Vergangenheit, Fehlinterpretationen oder einfach von Namensähnlichkeiten.

1Bezirk Möhringen (Stuttgart)

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Die Mohrin – so übrigens die korrekte wappenkundliche Bezeichnung – gelangte durch einen Irrtum auf das Wappen und ist schon auf alten Möhringer Siegeln zu sehen. Seinerzeit nahm man aufgrund des Namens an, dass zuvor Mohren dort gelebt hatten. In Wirklichkeit waren es jedoch die alemannischen Mohringer, die dem Ort seinen Namen gaben.

2Coburg 

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Der Mohr, der das Wappen der Stadt Coburg seit 1430 ziert, stellt den Heiligen Mauritius dar. Dieser wird seit 1250 als schwarzer Mauretanier dargestellt und ist Schutzheiliger des Heeres, der Infanterie und der Messer- und Waffenschmiede.

Die letzten, die vor heutigen Linken das Coburger Stadtwappen abschaffen wollten, waren übrigens die Nationalsozialisten. Sie ersetzten den Mohrenkopf durch ein Schwert, was aber 1945 wieder geändert wurde.

3Hochstift Freising

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Der gekrönte Mohr im Wappen war typisch für die Freisinger Bischöfe und zeigte die Reichsunmittelbarkeit des Gebiets. Heißt: Das Gebiet unterstand unmittelbar dem Kaiser. Zuerst erschien der Mohr in Form eines gekrönten Afrikaners 1284 auf dem Wappen des Bischofs Emicho Wildgraf von Wittelsbach.

Nach einer verbreiteten Interpretation war der Mohr jedoch lediglich das Resultat einer Fehldeutung. Ein eigentlich weißes gekröntes Haupt wurde fälschlicherweise für schwarz gehalten und dabei blieb es dann irgendwann.

4Bevensen-Ebstorf

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Die Samtgemeinde Bevensen-Ebstorf wurde erst 2011 gebildet und entschied sich, in das neue Wappen den Heiligen Mauritius als Mohr aufzunehmen. Dieser dient als Hinweis auf das Mitte des 12. Jahrhunderts gegründete Kloster Ebstorf, das dem Heiligen Mauritius geweiht war.

5Adelsgeschlecht der Loeben

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Die Wappensage erzählt, dass das Adelsgeschlecht der Loeben bereits im Jahre 733 zu ihrem Wappen gekommen ist. Ein Urahne habe das Wappen und den Namen Loeben damals von der Mohrenkönigin Pelusa von Meroe (heutiger Sudan) verliehen bekommen.

Er besiegte Pelusa in einer Partie Schach, bei der sein Leben auf dem Spiel stand. Mit dem Wappen und dem Namen zeichnete sie ihn für seinen Löwenmut aus.

6Schauenstein

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Ursprünglich hielt auf dem Schauensteiner Wappen ein schwarzer Bergmann einen Stein in die Luft. Dies sollte den Namen der Stadt verdeutlichen: „Schau ein Stein“. 1692 wurde der Bergmann jedoch als Mohr fehlgedeutet und hält seit 1812 keinen Stein mehr in der Hand, sondern ein Stück Fleisch. Prinzip „stille Post“ sozusagen.

7Mehring

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Das Adelsgeschlecht der Moringer zählte seit dem 8. Jahrhundert die Stadt Mehringen zu seinen Besitztümern. Im Adelswappen trugen die Moringer aufgrund der namentlichen Ähnlichkeit einen Mohr mit roter Kopfbedeckung. Als Zeichen für den Ortsnamen fand der dann ebenfalls Einzug in das heutige Stadtwappen.

8Ober-Mörlen

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Das Wappen von Ober-Mörlen stammt wahrscheinlich von einem Gerichtssiegel aus dem Jahr 1716, also mehr als hundert Jahre vor den ersten deutschen Kolonien. In Anlehnung an das Wappen tritt der „Mohr von Mörlau“ seit 1948 als Figur der Ober-Mörler Fassenacht auf und begleitete von 2003 bis 2009 das Prinzenpaar bei allen offiziellen Auftritten.

9Lauingen

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Den Mohrenkopf im Wappen von Lauingen begründet eine Sage aus dem 10. Jahrhundert. Danach wurde der Streit zwischen Christen und Heiden rund um Lauingen durch einen Zweikampf entschieden. Dem Siegreichen wurden von Kaiser Otto I. drei Gnaden gewährt.

Eine dieser Gnaden war der Wunsch nach der Erlaubnis, eine Mohrin als Helmkleinod tragen zu dürfen. So fand das Haupt einer Mohrin den Einzug in das Stadtwappen. Lauingen wird neben Eisenberg gerne auch als Mohrenstadt bezeichnet.

 

10Möhringen an der Donau

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Kaiser Friedrich III. verlieh 1470 das noch heute bestehende Wappen an die Stadt Möhringen an der Donau. Die weibliche Figur, die Mohrin, wird in Anlehnung an den Ortsnamen im Volksmund als „Möhrin“ bezeichnet.