Die klassische Herrenmode wird in der breiten Masse zwar immer weniger getragen, übt aber auf jeden eine gewisse Faszination aus. Wer ist nicht beeindruckt von einer elegant gebundenen Krawatte? Oder von James Bond in seinem gut sitzenden Smoking? Und dennoch kennen nur Wenige den Ursprung dieser Kleidungsstücke. Wir klären euch auf!

1Das Sakko trug man zum Sport!

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Noch im 18. Jahrhundert war es üblich, einen knielangen Gehrock zu tragen. Mit der Zeit wurden aus praktischen Gründen immer mehr Teile weggekürzt, um passende Kleidung für Sport und Jagd im Kleiderschrank zu haben. Damit waren Jacket und Sakko nicht nur informelle, sondern praktische Kleidungsstücke. Später begannen diese kurzen Jacken Standard zu werden. Dadurch wurde die Herrenmode sportlicher und körperbetonter. Wenn du dich mit einem einfachen Anzug also festlich rausgeputzt fühlst, solltest du bedenken, dass man so etwas vor 100 Jahren höchstens zum Sport oder zur Arbeit getragen hätte.

2Der Smoking war etwas für den lockeren Abend!

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Black Tie für den Briten, Tuxedo für den Amerikaner. Doch nur die Bezeichnung Smoking beschreibt seinen tatsächlichen Ursprung! Denn war der offizielle Teil einer Feier vorbei, zogen sich die Herren gerne zeitweise in ein anderes Zimmer zurück, um dort in Ruhe rauchen zu können. Um die Damen danach nicht mit dem Geruch zu belästigen, zog man sich während des Rauchens eine andere Jacke an, die nicht so edel war und als informell angesehen wurde. Heute ist er zwar noch unter dem Frack angesiedelt, aber ansonsten edler als so ziemlich jede andere Abendbekleidung.

3Der Frack war Arbeiterkleidung!

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Der Frack ist schon seit 100 Jahren unumstritten das höchste bürgerliche Kleidungsstück, das man zu einer Abendveranstaltung tragen kann. Seit einigen Jahrzehnten verzichtet auch der Adel auf seine Uniformen und greift zum Frack. Ursprünglich war der aber eine Kleidung niederer Arbeiter Mitte des 18. Jahrhunderts. Einige Adelige hielten es für besonders fancy, diese »einfache Kleidung« zu informellen Anlässen zu tragen und begannen damit, sie salonfähig zu machen.

4Die Krawatte war ein Militärschal!

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Man sagt, die Krawatte sei König Ludwig XIV. von Frankreich auf einer Militärparade bei einem kroatischen Kavallerieregiment aufgefallen. Danach habe er sie zur neuen Mode erhoben. In Wirklichkeit waren Halstücher verschiedenster Art schon seit Jahrtausenden Bestandteil militärischer Uniformen. Dennoch besteht kein Zweifel daran, dass sich »Krawatte« von »Kroate« ableitet und damit eine weitaus interessantere Geschichte birgt, als du vielleicht gedacht hättest!

5Auch der Trenchcoat ist für den Krieg gemacht!

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Der Trenchcoat heißt nicht umsonst übersetzt: »Grabenmantel«. Denn durch seine wetterfeste Machart wurde er besonders im 1. Weltkrieg in den westeuropäischen Schützengräben getragen. Später wurde er dann in der Popkultur zum Merkmal finsterer und gefährlicher Männer oder Detektive. Heute darfst du ihn natürlich auch ohne Revolver tragen!

6Kurze Hosen sind Kinderkleidung!

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Bis vor ein paar Jahrzehnten trugen nur kleine Jungs kurze Hosen. Für einen Jungen war es, meist in der Pubertät, ein großer Moment: Seine Eltern schenkten ihm sein erstes Paar lange Hosen und markierten damit seine Mannwerdung. Erwachsene Männer hätten sich danach nicht mehr getraut, in kurzen Hosen in die Öffentlichkeit zu gehen. Ausnahmen bildeten Kniebundhosen und Knickerbocker, bei denen aber jeweils die Unterschenkel durch Strümpfe bedeckt wurden.

7Kniebundhosen trug im 18. Jahrhundert (fast) jeder!

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Vom Bauern bis zum Hochadel trug jeder Kniebundhosen. In Frankreich nannte man sie Culotten und meist unterschieden sie sich je nach (Wohl-)Stand im Material. Die Massen der Arbeiter und Kleinbürger von Paris trugen aber lange Hosen. Letztere wurden deshalb zum Symbol der Französischen Revolution, welche sowohl vom Adel als auch vom Bauernstand weitestgehend abgelehnt wurden – zufällig also von den Kniebundhosenträgern. Deshalb nannten sie einen Teil der Revolutionäre »Sansculottes«, was frei übersetzt »ohne Kniebundhosen« bedeutet.

8Kapuzenpullover sind für den Kühlschrank gemacht!

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Auch wenn es komisch klingt: Kapuzenpullover wurden nicht für den Sport entworfen. Tatsächlich waren sie für Arbeiter gedacht, die in Tiefkühlwarenlagern arbeiten mussten. Früher also für extreme Bedingungen – heute für die Couch!

9T-Shirts sind Unterhemden!

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Was heute völlig normal ist, war vor einigen Jahrzehnten noch lächerlich: T-Shirts waren Unterhemden und wurden deshalb nicht sichtbar getragen. Ihren Ursprung haben sie vermutlich bei der Royal Navy, wo ein Unterhemd mit Ärmeln ein bisschen mehr wärmen sollte. Denk‘ also im Sommer immer daran, dass du gerade in Unterwäsche herumläufst!

10Auch das Hemd ist Unterwäsche!

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Zu feierlichen Anlässen ziehst du dir ein Hemd an, um so richtig auf den Putz zu hauen? Da müssen wir dich leider enttäuschen! Das Hemd ist ursprünglich Teil der Unterbekleidung und soll verhindern, dass die eigentliche Oberbekleidung, also Weste und Jacke, vollgeschwitzt werden. Deshalb wirst du in alten Filmen und auf alten Bildern auch niemals jemanden sehen, der nur ein Hemd trägt – außer bei körperlicher Arbeit. Das Hemd war stets mit einer Weste und meist mit einer Jacke bedeckt. Wenn du also ein in die Hose gestecktes Hemd für zu streng hältst, erinnere dich daran, dass ein stilvoller Mann sein Jacket in der Öffentlichkeit niemals ausgezogen hätte!