Kürzlich titelte der WDR: „Halal-Ernährung liegt im Trend“ und erklärte: „Halal ist zum Lifestyle geworden“. Der Inhaber eines Halal-Geschäfts in der besonders progressiven Stadt Köln wird dort mit den Worten zitiert : „Es kommen viele nicht-muslimischen Leute, die nach halal fragen.“

Was viele aber nicht wissen: „Halal“ (nach muslimischem Recht erlaubt) gibt es nicht ohne „haram“ (nach muslimischem Recht verboten). Also wenn schon, denn schon: Diese typisch deutschen Gerichte fallen dann leider flach…

1Mantaplatte

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Wer kennt sie nicht? Die Berliner Currywurst mit Pommes. Sie soll kurz nach dem Zweiten Weltkrieg im Berliner Stadtteil Charlottenburg in der ersten Currywurst-Braterei der Welt verkauft worden sein.

Ob in Berlin oder im Ruhrgebiet: Die Currywurst mit „Pommes Schranke“ bzw. „Rot-Weiß“ ist ein über alle gesellschaftlichen Schichten beliebtes Gericht der Deutschen!

Sogar VW hat seine eigene Currywurst, bestehend aus Schweinebacke, -bauch und -speck und vertreibt diese als ‚Originalteil‘ (Teilenummer: 199 398 500 A) über die Grenzen der Bundesrepublik hinweg.

Allerdings wird der Absatz in muslimische Ländern gen Null gehen. Die Scharia sieht den Verzehr von Schweinefleisch ganz klar als ‚haram‘ (verboten) an.

2Weißwurst mit Brezel

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Das bayerische Traditionsgericht Nummer 1: die Weißwurst mit Brezel oder im originalen bayerischen Dialekt: ,,A frische Weißwurscht mit Brezn ist auch ein absolutes No-Go für traditionell orientierte Muslime.

Die im Jahre 1857 von dem Münchner Metzger namens Sepp Moser erfundene Wurstspezialität ist nämlich eine Brühwurst aus Schweinerückenspeck und Gewürzen.

3Königsberger Klopse

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Königsberger Klopse stammen noch aus dem Deutschen Kaiserreich, genauer aus Ostpreußen. Eine Spezialität aus gekochten Fleischklößen in weißer Sauce mit Kapern, die von vielen gerne an den Tellerrand gelegt werden.

Benannt ist das Gericht nach der früheren Haupt- und Residenzstadt Ostpreußens: Königsberg, heutzutage die russische Exklave Kaliningrad. Das Hackfleisch der Klopse besteht meist halb aus Rind und halb aus Schwein und ist damit leider auch haram!

4Pharisäer

Kommen wir zur Abwechslung mal zu einem traditionellen alkoholischen Getränk aus Nordfriesland: dem Pharisäer. Die biblische Namensgebung ergibt sich aus dem Mythos des Getränks!

Es soll erstmals 1874 heimlich zu einer Taufe getrunken worden sein. Eigentlich stießen die Friesen zur Taufe immer mit heißen Kaffee an, doch die Gruppe hatte die Tassen lieber mit Rum befüllt.

Als  der Pastor das bemerkte, rief er: ,,Ihr scheinheiliges Volk, ihr Pharisäer!“ Und zack, war ein neues alkoholisches Nationalgetränk der Norddeutschen entstanden.

Heutzutage trinkt man den Pharisäer mit Kaffee, Rum und einer Haube Schlagsahne. Auch der Alkoholverzehr gilt gemäß der Scharia als „haram“.

5Grünkohl und Pinkel

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Noch etwas aus dem Norden: Auch abseits der zahlreichen Fischgerichte haben sich spannende Delikatessen entwickelt. So wie das Gericht „Grünkohl mit Pinkel“ aus Bremen. Geht’s deutscher als Grünkohl? Kaum.

Aber auch den an sich unproblematischen Grünkohl dürfen streng gläubige Muslime nicht mehr essen, wenn er erst mal von der dicken, geräucherten Wurst aus Schweinefleisch, Speck und Hafergrütze kontaminiert wurde.

6Schwarzwälder Kirschtorte

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Die Schwarzwälder Kirschtorte aus Süddeutschland ist ein Gaumenschmaus für jeden Dessertliebhaber. Sie zählt zu den beliebtesten Torten der Welt und wird in Filmen oft neben Kuckucksuhren, Bier und Brezel geradezu als Symbol für Deutschland gezeigt.

Ihr Geheimnis: alkoholisiertes Kirschwasser! Das macht die Schwarzwälder Kirschtorte zu einer Geschmacksexplosion – und für streng gläubige Muslime leider ebenfalls haram.

7Sauerbraten

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Der Sauerbraten ist ein klassisches Gericht aus Rheinland-Pfalz und gilt als typisches Sonntagsessen. Es gibt die Variante mit Schweinefleisch, dessen Marinade in Wein, Essig und Lorbeer getränkt wurde. Schwein und Alkohol? Doppelt haram!

Aber es gäbe theoretisch eine legitime Alternative: Rind- statt Schweinefleisch! Problematisch daran: Damit Fleisch generell als „halal“ (erlaubt) gilt, muss das Schlachttier rituell geschächtet werden. Dieses langsame Ausbluten bei vollem Bewusstsein wird allerdings von Tierschützern kritisiert und ist mit dem deutschen Tierschutzrecht nicht vereinbar.

8Kohlrouladen mit Hackfleischfüllung

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Wer kennt sie nicht, Omas Kohlrouladen mit Hackfleischfüllung. Dazu leckere Kartoffeln vom Bauern des Vertrauens und eine delikate Sauce aus Pilzen, die von Oma selbst gesammelt wurden. Herrlich oder? Doch Vorsicht!

Der Inhalt der Roulade, das Hackfleisch, ist sehr haram! Dabei kommen Rouladen eigentlich – Fun Fact – aus dem Nahen Osten. Das war doch mal eine echte Bereicherung!

9Äppelwoi

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Der Apfelwein „Äppelwoi“ ist ein Klassiker unter den alkoholischen Getränken in der hessischen Gegend. Ursprünglich von den Römern in diese Region importiert, kann man den Äppelwoi – oder auch  Ebbelwei, Stöffsche oder Schobbe – vor allem im Sommer in den Obstwiesenregionen Hessens genießen. Aber es versteht sich ja von selbst, dass eine Weintour leider haram ist.

10Himmel und Erde

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Am Ende unserer kulinarischen Rundreise durch Deutschland widmen wir uns dem vielleicht nicht schönsten, aber immerhin bevölkerungsreichsten Bundesland Deutschlands: Nordrhein-Westfalen.

Hier ist das Gericht „Himmel un Ääd“ ein Klassiker aus Äpfeln und Kartoffeln. Klingt halal? Mitnichten! Denn was nicht fehlen darf: Blutwurst, Speck und knusprige Röstzwiebeln. Mehr haram geht nicht.